Platznot bei der Feuerwehr: Landauf, landab müssen Städte und Dörfer nicht nur in neue, größere Rettungsfahrzeuge investieren. Vielerorts stehen die Gemeinden zugleich vor der entscheidenden Frage: Können die Gerätehäuser vergrößert werden, oder muss ein Neubau her?
Fest steht: „Die neuen Lösch- und Rettungsfahrzeuge sind schlichtweg zu groß für die Spritzenhäuser“, sagt Jörg Bülow, Geschäftsführer des Gemeindetages Schleswig-Holstein. Verwunderlich sei das nicht: Die meisten Feuerwehrhäuser seien in den 60er Jahren errichtet worden. Damals seien die Fahrzeuge deutlich kleiner gewesen. „Mit einem Audi A8 wird es heutzutage ja auch in älteren Garagen heikel“, so Bülow.
Thomas Keller, Bürgermeister in Ratekau, und seine Ortswehrführer in Sereetz, Luschendorf und Techau mussten in den vergangenen Monaten mehrfach zum Zollstock greifen, um festzustellen: Für die zwingend notwendigen Neuanschaffungen waren die Dimensionen der Fahrzeughallen zu gering. „Das Problem war, dass auch die Grundstücke teilweise zu klein waren, so dass sich Erweiterungsbauten ausschlossen“, berichtet Keller. Um einen finanziellen Überblick zu bekommen, stellte die Gemeinde zunächst einen sogenannten Feuerwehr-Bedarfsplan auf. „Zunächst haben wir in Luschendorf ein neues Gerätehaus errichtet, zurzeit laufen die Arbeiten für den Neubau in Techau“, führt der Bürgermeister auf.
Jeweils 450 000 Euro abzüglich Eigenleistungen und Erlöse aus Verkäufen der Grundstücke kosten allein die beiden Projekte. Hinzu kommen dann noch die Investitionen für die Fahrzeuge, die mit 280 000 Euro aufwärts zu Buche schlagen – „die aber unumgänglich sind“, wie Keller beteuert. Das Techauer Löschfahrzeug ist beispielsweise 26 Jahre alt und müsse ausgetauscht werden, um den Anforderungen an die Ortswehr zu genügen. Auch in Sereetz war ein großer Griff in die Gemeindekasse notwendig gewesen, um den Fuhrpark aufzurüsten. „Auch in Ratekau selbst ist das Feuerwehrhaus eigentlich zu klein, so dass auch dort Maßnahmen erforderlich werden, die laut Bedarfsplan 2014/15 anstehen“, berichtet der parteilose Bürgermeister.
Eine sogenannte Ersatzbeschaffung für das veraltete Löschfahrzeug steht auch in der kleinen Stormarner Gemeinde Heidekamp an. 140 000 Euro soll das neue Modell kosten, abzüglich von Zuschüssen muss die Kommune etwa 80 000 Euro selbst aufbringen. 2013 ist die Investition im Haushalt verankert. Bis dahin stehen Bürgermeister Sven Müller (CDU), dem Gemeinderat und der lokalen Dorfwehr noch zahlreiche Beratungen und Diskussionen bevor. „Fest steht, dass unser Spritzenhaus bereits in den 1960er und 1970er Jahren umgebaut worden ist und Erweiterungen einfach nicht mehr möglich sind“, sagt Müller. Schon jetzt ist es äußerst eng in der Fahrzeughalle. Anders als Ratekau steht ein Garagen-Neubau in Heidekamp allerdings außer Frage. „Wir werden versuchen, ein Spezialfahrzeug bauen zu lassen, das sowohl den modernen technischen Anforderungen entspricht, aber trotzdem noch in unsere Halle passt“, sagt Müller, für den auch der Motivationsfaktor für die 21 aktiven ehrenamtlichen Helfer entscheidend für die Investition ist.
Der Überlegung finanziell besonders klammer Kommunen, die Einsatzfahrzeuge künftig an der Straße anstatt in Hallen abzustellen, erteilt der Landesfeuerwehrverband derweil eine klare Absage. „Nicht zulässig“, sagt Geschäftsführer Peter Schütt. Die Einsatztechnik sei äußerst sensibel. Die Gefahr von Sabotage nicht zu unterschätzen. Und nicht nur das: „Die Einsatzfahrzeuge müssen für den Erstangriff einen Wassertank mit 400 Litern haben.“ Und das könnte gerade in frostigen Zeiten wie diesen ein immenses Problem sein . . .
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