Serpil Midyatli hat’s geschafft. Die 36-jährige Kielerin tritt auf Listenplatz zwei für die SPD zur Landtagswahl an, gleich hinter Spitzenkandidat Torsten Albig. Gestern am Tag zwei des Landesparteitags in der Lübecker Musik- und Kongresshalle haben die Sozialdemokraten festgelegt, mit welcher Mannschaft sie am 6. Mai ins Rennen um die Wählerstimmen gehen werden.
Auf Platz drei kandidiert Landes- und Fraktionschef Ralf Stegner. Er war lange als Nummer zwei hinter Albig gehandelt worden. Dann fiel die Entscheidung dafür, Männer und Frauen abwechselnd auf der Liste antreten zu lassen. Für Stegner gab es bei der Wahl einen empfindlichen Dämpfer. Mit nur 81 Prozent erreichte er eines der schlechtesten Einzelergebnisse. Stegner hatte als Parteichef, wie in der SPD üblich, die Listenaufstellung allein ausgearbeitet und den Parteigremien erst am frühen Sonnabend Morgen vorgelegt. Möglicherweise, so hieß es auf dem Parteitag, sei sein schlechtes Ergebnis die Revanche für die ein oder andere Personalentscheidung dabei gewesen. So hat Stegner zum Beispiel die junge Serpil Midyatli oder den jungen Stormarner Kreischef und Bildungsexperten Martin Habersaat auf Platz fünf an altgedienteren Kollegen vorbei auf der Liste nach vorne geschoben. Fachwissen, Geschlechtergerechtigkeit, regionale Ausgewogenheit und Verjüngung hatte Stegner in seiner Vorstellungsrede auf dem Parteitag auch als Hauptkriterien für die Aufstellung der Liste genannt.
Der Südosten des Landes ist darauf jedenfalls stark vertreten. Hinter Habersaat tritt auf Platz sechs die Eutiner Abgeordnete Regina Poersch an. Lübeck ist mit dem Landtagsfraktions-Sozialexperten Wolfgang Baasch auf Platz sieben vertreten, mit Tobias von Pein auf Platz 17 und Thomas Rother auf 29. Der Fraktions-Vize und SPD-Kreisvorsitzende im Herzogtum Lauenburg, Peter Eichstädt, kandidiert auf Platz neun. Sandra Redmann aus Bad Schwartau ist auf Platz zwölf dabei, Olaf Schulze aus Geesthacht auf 15, Ostholsteins Kreischef Lars Winter auf 23, die Bargteheiderin Susanne Danhier auf 26 und Marc-André Ehlers aus Nahe auf Listenplatz 27. Albig gab sich gestern erneut siegesgewiss. Mindestens 26 Abgeordnete werde die künftige SPD-Landtagsfraktion haben, mindestens neun der 35 Wahlkreise im Land werde man direkt gewinnen, die in Kiel und Lübeck sowie Elmshorn, Pinneberg, Neumünster und Flensburg.
Als Gastredner hatte sich eigentlich der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel angekündigt. Der musste jedoch wegen einer Grippe absagen. Die Bundespartei-Vizechefin und Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, vertrat ihn würdig, feuerte die Nord-Genossen für den Wahlkampf kräftig an. „Es geht am 6. Mai darum, dass die unzuverlässige schwarz-gelbe Landesregierung in Kiel abgelöst wird“, erklärte Manuela Schwesig. Sie machte sich mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für mehr soziale Gerechtigkeit und einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn stark: „Markt und Menschlichkeit müssen wieder zusammengebracht werden, und die Betonung liegt auf Menschlichkeit.“Wolfram Hammer
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