Sein Medium ist die Sprache, und damit ist er großartig. Mit seinen „Rhythmus Boys“ trat er am vergangenen Sonnabend in der ausverkauften Lübecker Musik- und Kongresshalle auf und lieferte drei Stunden beste Unterhaltung. „Musik für schwache Stunden“ lautete der Titel der Tournee, die gestern im Hamburger Schauspielhaus endete.
Die „Rhythmus Boys“ sind ein schrilles Trio, bestehend aus Ulrich Mayer (Gitarre), Günter Märtens (Kontrabass) und Kalle Mews (Schlagzeug). Sie haben viel Humor, den man auch haben muss, wenn man mit Tukur reist. Sprüche, die gemein sind, aber nicht so wirken, weil sie mit viel Charme vorgetragen werden, betreffen meist Tukur selbst, aber auch gerne seine Kollegen. Heesters sei ja mit 108 gestorben, sie vier seien zusammen auch schon über 220 und somit „ziemlich angegammelt“.
Meist ging es um Männer und Frauen, das ewig aktuelle Thema, das Tukur in seinen Moderationen und in den Liedern von allen Seiten beleuchtete und mit Freuden karikierte. „Schwäche ist Stärke“ erklärte er zum Motto des Abends.
Tukur spielte Klavier und Akkordeon, sang dazu von „Old Macdonald“ und dessen Farm, brachte sein „Wienerlied“, ein gespenstisch böses Liebeslied, oder nahm Zarah Leanders „Ich steh im Regen“ ins Visier.
Tanzmusik sollte es sein. Aber das war natürlich eine Mogelpackung. Was Tukur wirklich auf die Bühne brachte, war Kabarett, angereichert mit süffiger Musik und Anekdoten aus vielen Jahrzehnten Bühnenleben. Die „Rhythmus Boys“ brachten ebenfalls zwei Nummern in rot-weißer Kostümierung als dänische „Pölser“, Dänemarks angebliche Kraftakrobatentruppe: Auf der Bühne agierten Männer, von denen einer riesengroß und einer winzig klein war, die kein bisschen durchtrainiert waren, keine Kraft hatten und auch keine Akrobatik machten, über ihre Albernheiten aber selber lachen konnten und dadurch komisch wirkten.
Es war ein gelungener Abend, obwohl die Bühne der MuK und alle anderen großen Häuser, die Tukur in den vergangenen zwei Monaten bespielt hat, denkbar unpassend für seine Kunstform sind. Eigentlich gehört diese Kunst in eine Bar oder in ein kleines Theater mit ganz intimer Atmosphäre. Dann hätten aber die meisten Fans draußen bleiben müssen.
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