Keine Sonderbehandlung fürs Theater: Die Mehrheit der Politiker will dem Kulturtempel in der Beckergrube nicht mehr Geld geben. „Die Stadt gewährt dem Theater einen nicht unerheblichen Zuschuss“, argumentiert Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Jährlich überweist die Hansestadt 6,6 Millionen Euro, vom Land kommen 9,78 Millionen. Für Saxe ist klar: „Zusätzliche Beträge kann die Stadt nicht übernehmen.“ Damit stellt er sich gegen Kultursenatorin Annette Borns (SPD), die 150 000 Euro mehr fürs Theater haben wollte. „Wenn ich nachgegeben hätte, wären alle anderen auch gekommen“, sagt der Verwaltungschef. Denn die bevorstehenden Tariferhöhungen treffen alle GmbHs der Hansestadt. „Das müssen die Gesellschaften selbst erwirtschaften.“
Diese Haltung teilen CDU, FDP, BfL – und auch die SPD-Fraktion. „Ich erwarte mehr Kreativität von den Senatoren“, erklärt Chef Peter Reinhardt. „Jedes andere Unternehmen muss zusätzliche Kosten auch selbst abfangen.“ Zwar habe Direktor Christian Schwandt gespart, „aber das reicht nicht“. Reinhardt fordert weitere Einsparungen, damit die Mitarbeiter nach Tarif bezahlt werden, denn einen Haustarif unterstützt die SPD nicht.
Das sieht das bürgerliche Lager zwar anders, kommt aber zum selben Ergebnis – und will dem Theater den Zuschuss keinesfalls erhöhen. „Ich unterstütze den Haustarif voll und ganz“, sagt Peter Sünnenwold, kulturpolitischer Sprecher der CDU. Er fordert sogar: „Wenn wir es in Lübeck mit dem Sparen wirklich ernst meinen, dann muss es auch für die Stadtverwaltung einen Haustarif geben.“ Kopfnicken von BfL-Vormann Oliver Dedow: „Lübeck ist pleite, da muss auch das Personal einen Beitrag leisten.“ Für FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke führt kein Weg am Haustarif vorbei. Das sei besser, als das Theater oder eine Sparte zu schließen. „Das ist erst der Anfang“, kündigt Rathcke an. „Es stehen uns fürchterliche Diskussionen bevor.“ Denn die Stadt muss jährlich 4,8 Millionen Euro sparen, will sie in diesem Jahr knapp 24,3 Millionen Euro zum Schuldenabbau vom Land erhalten.
Doch für Linken-Chefin Antje Jansen steht fest: „Das Theater hat schon genug gespart. Irgendwann ist Schluss.“ Sie fordert, den Zuschuss zu erhöhen. Ver.di-Vertreter Johann Rademacher stimmt zu: „Die Theatermitarbeiter werden sonst als Beschäftigte zweiter Klasse eingestuft. Das ist für Lübeck beschämend.“ Er fürchtet, dass ein Haustarif dazu führt, dass „weiteren Gesellschaften der Stadt Tarifabsenkungen drohen“.
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