Mit einem dumpfen Geräusch gibt der Poller nach, der Weg ist frei. Das Löschfahrzeug musste nicht einmal Gas geben, der Schleifpunkt der Kupplung reichte aus. „Das ging schnell“, sagt Michael Utech von der Berufsfeuerwehr Lübeck. „Ich war eher skeptisch.“ Mit seinen Kollegen hat er getestet, ab wann die Verkehrspoller an der Obertrave umknicken – im Notfall zählt jede Sekunde.
Es war der erste Test dieser Art. Jeder Poller hat eine Sollbruchstelle, damit die Barriere beim Gegenfahren nachgibt. Bislang besaß die Feuerwehr nur theoretische Erfahrungen, wann das der Fall ist. Sicherheitshalber wurde ein älteres Löschfahrzeug für den Versuch genutzt, dessen Stoßstange noch komplett aus Metall besteht.
Fazit: Große Einsatzfahrzeuge kommen mühelos durch. „Schwieriger wird es bei Rettungswagen“, sagt Utech. Um Gewicht zu sparen, ist die Verkleidung inzwischen wie bei gewöhnlichen Autos – aus Kunststoff. Stupst das Blaulichtauto den 20 Kilogramm schweren Poller an, geht durchaus mehr kaputt als die 15 Euro teure Stange mit der Sollbruchstelle.
Hintergrund für den Knicktest ist ein Einsatz am 24. Januar in der Marlesgrube. Die Rettungskräfte rückten über die Obertrave an und mussten dazu die Poller lösen – doch sie klemmten, eventuell durch ein zuvor dagegen gefahrenes Auto. Wertvolle Minuten verstrichen, bis die Poller schließlich mit dem Standard-Dreikantschlüssel entfernt werden konnten. Zum Glück entpuppte sich der Einsatz in der Marlesgrube als Fehlalarm.
„Grundsätzlich lieben wir die Poller nicht“, sagt daher Feuerwehrsprecher Utech. Sie seien Fluch und Segen zugleich. Vor allem, wenn es zu Verzögerungen kommt, geraten die Sperren in die Kritik. „Die schnelle Durchfahrt muss gewährleistet sein.“ Andererseits halten sie aber zum Beispiel die Obertrave von wild parkenden Autos und zu viel Verkehr frei.
Positiv gestimmt ist die Feuerwehr gegenüber dem neuen versenkbaren Poller am Klingenberg. Er soll künftig Autos daran hindern, von der Schmiede- in die Mühlenstraße zu rollen. Der Pfosten funktioniert bereits, allerdings ist das Datum der Inbetriebnahme laut Stadtsprecher Marc Langentepe noch offen. Größter Vorteil: „Er ist beheizt“, so Utech. Bei der Begutachtung vor Ort haben seine Kollegen zufällig festgestellt, dass die angrenzenden Poller festgefroren waren. Für die Obertrave sind versenkbare Sperren jedoch ungeeignet: Hochwasser-Gebiet.
Die Feuerwehr hat den Bereich Verkehr gebeten, alle Poller zu testen und notfalls zu enteisen. Um zusätzlich auf der sicheren Seite zu sein, wurden auch die Anfahrtswege geändert. Autos der Wache 2 in der Welsbachstraße, zuständig für die Innenstadt, rücken jetzt über den Mühlendamm an. Utech: „Die benötigte Zeit ist dieselbe.“
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