Mehr Geld fürs Theater: Das ist die klare Forderung der gut 200 Mitarbeiter während der Vollversammlung in den Kammerspielen. Fast zwei Drittel der Belegschaft sind gekommen, denn Direktor Christian Schwandt will den Haustarif einführen. Doch die klassische Front – Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer – will sich in diesem Konflikt nicht auftun. „Es gibt nicht die Guten und die Bösen in diesem Spiel“, sagt SPD-Kultursenatorin Annette Borns. Denn eigentlich wollen sie alle mehr Geld für den Musentempel an der Beckergrube. Aber die Stadt will es ihnen nicht geben. Die Entscheidung fällt endgültig am 23. Februar in der Bürgerschaft.
Abstimmen: Sollte das Theater mehr Geld bekommen?
16 Millionen Euro Steuergelder fließen jedes Jahr ans Theater (9,78 Millionen vom Land, 6,6 Millionen Euro von der Stadt). Doch durch die anstehenden Tariferhöhungen ab März reicht das nicht mehr. „Die Lage ist bedrohlich für die Existenz des Theaters“, warnt Schwandt. Aber das Haus sei nicht insolvent. Bis November wäre Geld vorhanden, dann seien die Reserven aufgebraucht. „Es wird Zahlungsschwierigkeiten geben.“ Für ihn ist klar, dass er die Zukunft des Hauses nicht sichern kann, wenn es keine Zugeständnisse von Seiten des Theaters gibt. Daher ist er zum 31. Dezember 2011 aus dem Tarifverbund der Kommunalen Arbeitgeber ausgetreten – ohne Wissen der Belegschaft. „Das war ein Vertrauensbruch Ihnen gegenüber“, gibt Schwandt zu. Schauspielchef Pit Holzwarth springt ihm bei: „Mit dem Ausstieg ist die Option aufrechterhalten, dass wir nicht von einer Situation getrieben werden, die wir nicht mehr bestimmen.“
Schwandts Sicht der Dinge: Entweder gibt es mehr Geld von der Politik (was er für unwahrscheinlich hält), oder es werden Mitarbeiter entlassen (was er nicht will), oder aber es gibt einen Haustarif. Doch für den Betriebsratschef Reiner Trenkmann ist der Haustarif keine Alternative: „Seit 30 Jahren reden wir über Theaterfinanzierung. Die Stadt hatte genug Zeit, sich eine langfristige Lösung zu überlegen.“
Es wird eine emotionale, aber ruhig geführte Debatte. Der Betriebsrat fordert „eine große Lösung“ – wenn eingespart wird, dann bei allen Mitarbeitern der Stadt. Nicht allein die Beschäftigten am Theater sollen sparen müssen. „Es geht mir nicht vorrangig um die paar Euro. Aber wir müssen uns auf Augenhöhe unterhalten.“ Mit einem Haustarif würden die Theaterleute nicht mehr ernst genommen. Trenkmann: „Das wäre das Signal: Wir haben so viel Angst, dass wir zu allem bereit sind.“
Diese Haltung teilt Sigrid Meyer uneingeschränkt. „Ein Haustarif bedeutet, dass ich wirtschaftlich zugunsten des Theaters zurückstecken muss.“ Für die Verwalterin des Kostümfundus ist das aus „überlebenstechnischen Gründen gar nicht machbar“. Eine andere Kollegin drückt es so aus: „Seit 20 Jahren soll ich Geld mitbringen, damit ich hier arbeiten darf.“ Auch für Orchestermusiker Joachim Pfeiffer wäre ein Haustarif ein Unding: „Davon halte ich nichts.“
Chorsängerin Therese Meinig glaubt, dass ein Haustarif Qualitätsverlust bedeutet. Denn kein Künstler würde an einem Theater mit Haustarif arbeiten wollen. „Wir verdienen eh’ schon nicht viel“, sagt die 33-Jährige. Dabei hätten die meisten fünf bis acht Jahre studiert. Schauspieler Patrick Heppt lässt die Debatte etwas ratlos zurück: „Ich kann die Argumente beider Seiten nachvollziehen.“
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