Lübeck - „Ich habe meine Lektion gelernt“, erklärte Wissenschaftsminister Jost de Jager vor 200 Zuhörern im Lübecker Rathaus, „ich würde es nicht noch einmal machen, und ich werde es nicht noch einmal machen.“ Jost de Jager gab beim Neujahrsempfang der Lübecker CDU eine Garantie für die Medizinerausbildung an der Lübecker Uni ab. „Die Strukturen bleiben, wie sie sind“, sagte der Spitzenkandidat.
2010 war de Jager noch fest entschlossen, die Medizinerausbildung in der Hansestadt zu opfern. Gebremst wurde er durch den massiven Widerstand von Studenten, Lehrkräften, Politikern, Wirtschaftsvertretern und Bürgern. Im Rathaus erklärte der geläuterte Minister jetzt, dass „die hervorragende Verzahnung der Uni Lübeck mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein herausragendes Merkmal der Forschungslandschaft in Schleswig-Holstein“ sei. De Jager: „Wir stehen zum Universitätsstandort Lübeck.“ Die Landesregierung halte am Ziel einer Stiftungs-Universität fest, erklärte der 46-jährige gebürtige Rendsburger, der seit November Spitzenkandidat und seit September Landesvorsitzender seiner Partei ist. CDU-Fraktionschef Andreas Zander machte dem Spitzenkandidaten unmissverständlich klar, dass die Attacke auf die Uni durch die schwarz-gelbe Landesregierung in der Hansestadt noch nicht vergessen sei. „Mit diesen Plänen hat sich die Landesregierung eine dauerhafte Hypothek in unserer Stadt erarbeitet“, sagte Zander. Das räumte de Jager ein: „Das ist eine Hypothek für mich und möglicherweise auch für die CDU.“
Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) begrüßt die klaren Worte des CDU-Spitzenkandidaten. De Jager habe in kleinerer Runde bereits eingeräumt, dass die geplante Schließung der Medizinerausbildung in Lübeck keine gute Idee gewesen sei. Dass der Minister diesen Fehler nun auch öffentlich einräume, sei neu. Saxe: „Wir haben bereits vor einiger Zeit miteinander geklärt, dass die Angelegenheit erledigt ist.“ Mit de Jagers Klarstellung stehe nun fest, dass die Hochschulstrukturen dauerhaft erhalten bleiben, erklärt der Bürgermeister.
Auch für den Kanzler der Uni ist die Beichte des Ministers neu. „De Jager hat das meines Wissens zum ersten Mal in dieser Klarheit öffentlich eingeräumt“, erklärt Dr. Oliver Grundei. Die Rede des CDU-Politikers auf dem Neujahrsempfang sei beachtenswert gewesen. Der Kanzler: „De Jager hat starke Worte für die Uni gefunden und hat zugleich Zukunftsperspektiven aufgezeigt.“ Grundei hat den Eindruck, dass de Jager den Sachverhalt verstanden habe und jetzt anders denke als noch vor zwei Jahren. Der Uni-Kanzler erkennt auch an, dass sich de Jager nie vor den Auseinandersetzungen gedrückt hat, sondern auch bei schwerem Gegenwind Flagge auf dem Lübecker Campus zeigte.
Aus Sicht der Opposition im Landtag ist de Jagers Vorstellung auf dem Neujahrsempfang reine Schauspielerei. „De Jager gibt jetzt den zerknirschten Sünder, über den im Himmel bekanntlich mehr Freude herrscht als über 99 Gerechte“, spottet der hochschulpolitische Sprecher der SPD, Martin Habersaat. Angesichts trüber Wahlaussichten für die CDU in Lübeck würden jetzt die Qualitäten der universitären Medizinerausbildung in den Himmel gelobt. Habersaat: „Recht hat er, aber das wusste er alles schon vorher.“ Für diese „schauspielerischen Leistungen“ gebe es weder einen Oscar noch einen Wahlerfolg, sondern nur die „Goldene Himbeere für die schlechteste darstellerische Leistung“, sagt Habersaat.
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