Die Schiffe trieben mittags ab oder kamen gar nicht von der Stelle. Eine brenzlige Situation, die Passage musste für zwei Stunden unterbrochen werden. Die Feuerwehr bereitete sich vorsorglich auf den kompletten Ausfall der Verbindung vor und stationierte zusätzliche Kräfte auf dem Priwall.
Nerven bewahren, ruhig bleiben – das bewiesen die Fährmänner Frank Lender, Frank Lünenschloß, Stefan Krull und Klaus Linnow. Jeweils zu zweit waren sie gestern Mittag auf einer Fähre unterwegs. „Solch einen Eisgang mit der Strömung habe ich noch nicht erlebt“, sagt Lender. Mitunter in Schrittgeschwindigkeit wurden die Eisschollen von der Ostsee in die Mündung gedrückt. Sein Herz habe schneller geschlagen, denn mit einer derartigen Situation hatte der erfahrene Fährmann nicht gerechnet. Lünenschloß: „Wir haben uns dann entschlossen, den Fährbetrieb aus Sicherheitsgründen einzustellen.“ Ab 12.30 Uhr ging nichts mehr.
Die Reaktionen der Fahrgäste fielen unterschiedlich aus. „Viele haben verstanden, dass es höhere Gewalt ist“, sagt Fährgehilfe Ferhat Güner. „Andere mussten zu Terminen und waren ungehalten.“ Ein Mädchen war aufgelöst, sie hatte Geburtstag, musste zum Priwall und hatte Angst, ihre eigene Feier zu verpassen. „Kollegen haben dann bei ihren Eltern angerufen“, sagt Bernd Raasch, Betriebsleiter des Stadtverkehrs. Dorothea Garbaden aus Hamburg, die auf dem Priwall eine Wohnung besitzt, blieb gelassen: „Ich habe die Zeit genutzt und Besorgungen gemacht.“ Auch die Travemünderin Christine Schröer sah keinen Grund zur Panik: „Damit muss man eben rechnen, wenn man am Wasser wohnt.“
Der Stadtverkehr richtete einen Ersatzverkehr mit Bussen ein, der alle Fährpassagiere stündlich mit einem 40-Kilometer-Umweg über Dassow zum Priwall brachte. „Ganz übel“, sagt Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke. Rund 150 Fußgänger und 70 Fahrzeuge mussten den langen Weg ans andere Ufer wählen.
Die Berufsfeuerwehr ging vorsorglich nach ihrem Hochwasser- Alarmplan vor. Da ohne Fähre die direkte Verbindung zum Priwall zusammenbrach, verlegte sie einen Rettungswagen sowie eine Einsatzleit-Crew auf die andere Traveseite. Außerdem unterstützten Freiwillige der Feuerwehr Kücknitz die Kollegen. In der Lübecker Altstadt wurden die Anwohner der Obertrave gebeten, sicherheitshalber ihre Autos umzuparken. Mit teilweise Windstärke 9 drückte das Wasser regelrecht in die Trave hinein.
Um 14.30 Uhr beruhigte sich das Wetter unvermittelt, die „Pötenitz“ fährt seither wieder problemlos. Auch die zusätzlichen Rettungskräfte rückten am Nachmittag wieder vom Priwall ab. Von dem Trubel verschont blieb der 77-jährige Peter Knoop. Er hatte gar nicht mitbekommen, dass die Fähre zwei Stunden pausieren musste. „Das macht aber auch nichts, wenn sie über Mittag nicht fährt“, sagt er amüsiert. „Da hält man doch seinen Mittagsschlaf.“
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