Ist Klinik-Privatisierung nun gut oder schlecht? Einfache Frage, viele Antworten. „Ich bereue die Entscheidung nicht“, ist das Bekenntnis von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) im Hoghehus. Er hatte 2002 das Krankenhaus Süd verkauft. Deshalb steht er mit auf dem Podium des Forums der Sana-Kliniken, das von LN-Redakteur Michael Hollinde moderiert wird. Das Thema: „Privatisierte Gesundheit – Fluch oder Segen?“
Die Sana-Kliniken haben für das Krankenhaus an der Kronsforder Allee 11,5 Millionen Euro hingelegt. „Unter ökonomischer Betrachtung hat es bessere Geschäfte gegeben“, gibt Vorstand Thomas Lemke zu. Allerdings sei der Kauf „absolut richtig“ gewesen, die Sana-Kliniken hatten damit einen Einstieg in die Klinik-Landschaft im Norden. Von Privatisierung hält Jens Scholz überhaupt nichts. Der Chef des Uniklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) ist froh, einen Verkauf abgewendet zu haben. „Wir sind der einzige Maximalversorger im Land. Da ist die Frage: Gibt die Politik diesen Versorgungsauftrag aus der Hand?“ Allerdings ist Scholz keiner, der Private verteufelt. Unter seiner Regie wurden 49 Prozent der IT-Abteilung und der Service GmbH verkauft, in der beispielsweise Putzfrauen und Gärtner beschäftigt sind. „Wir haben auch Know-how der Privaten dazu gekauft“, sagt Scholz. Für Andreas Bobrowski, der als Chef der Kassenärztlichen Vereinigung die niedergelassenen Ärzte vertritt, geht die Debatte am Kern vorbei. „Ärzte sind in aller erster Linie zum Wohl der Patienten da.“ Lemke kontert: „Glauben Sie, dass bei den niedergelassenen Ärzten die Ökonomie keine Rolle spielt?“ Auch Saxe widerspricht: Wenn es Ärzten nur um die Patienten ginge, „dann würden sie zu den Patienten gehen, und es gäbe keinen Ärztemangel in Dithmarschen“. Das wiederum findet Bobrowski nicht richtig: „Den Ärzten geht es nicht ums Geld, sondern um die Infrastruktur.“ Und die gebe es auf dem Land teilweise nicht. Aber Saxe bleibt dabei: „Es hat keinen Sinn zu leugnen, dass es bei jedem Unternehmen – auch in der Gesundheitsbranche – um die ökonomische Rationalität geht.“ Das gelte sowohl für private als auch für öffentlich geführte Häuser.
Um den Nachwuchs brauchen sich Kliniken keine Sorgen zu machen. Die Ärzte gehörten zu den Gutverdienenden, sagt Scholz und malt ein deutliches Bild: „Sie streiken in Berlin und gehen anschließend Kaffeetrinken im Hotel Adlon.“ Auf einer zeitgleichen Veranstaltung von Ver.di prangert Werner Rätz von Attac an, dass es seiner Ansicht nach bei Klinik-Privatisierungen nur um die gewinnbringende Anlage von Geld gehe. jvz
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.




