1,8 Millionen Fernsehzuschauern in Deutschland droht der visuelle Blackout: Am 30. April, irgendwann zwischen zwei und drei Uhr in der Nacht, wird das analoge Satellitenfernsehen von allen deutschen Sendern abgeschaltet. Wer bis zum Stichtag nicht auf digitale Receiver umgerüstet hat, schaut in die Röhre.
Und genau dies könnte mittlerweile zu einem Problem werden, schätzt Henning Jansen. Der Lübecker Chef der Informationstechniker-Innung Schleswig-Holstein und seine Kollegen können sich bereits jetzt kaum vor Aufträgen retten. „Und trotzdem ist es noch immer viel zu ruhig. Das Telefon klingelt viel zu selten“, sagt der 47-Jährige. Viele Betroffene würden mit der Umrüstung bis zuletzt abwarten – „oder sie wissen noch gar nicht, dass ihnen der Blackout droht“, so Jansen. Vor allem ältere Menschen hätten immense Probleme allein beim Differenzieren, was analoges und digitales Fernsehen, was Satelliten-, Antennen- oder Kabel-TV ist. Andere wiederum seien verunsichert durch die Fernsehspots und die weißen Texthinweise, die seit einigen Tagen verstärkt durchs TV-Bild laufen. „Tatsächlich sind nämlich nicht alle, bei denen die Einblendungen zu sehen sind, auch wirklich betroffen“, sagt Jansen.
Die Verwirrung um das Ende des analogen Satellitenfernsehens ist groß – „obwohl es im Prinzip ganz einfach ist“, behauptet der Experte. Wer zu Hause via Kabelanschluss fernsieht, muss sich keinerlei Sorgen machen, ab dem 1. Mai auf „Tagesschau“, „Wer wird Millionär?“ oder die „heute-Show“ verzichten zu müssen. Dass bei manchen trotzdem besagte Abschalt-Hinweise im Bild zu lesen sind, hat einen einfachen Grund. „Beim Kabel wird mittlerweile auch zwischen analogen und digitalen Angeboten unterschieden. In jedem Fall wird es aber auch nach dem Stichtag keine Probleme geben“, betont der Lübecker. Auch die Nutzer des Antennenfernsehens DVB-T können sich entspannt zurücklehnen. Das „Digital Video Broadcast Terrestrial“ ging bereits im November 2004 ans Netz und hatte das analoge System abgelöst. Nun folgt der Wechsel beim Satelliten-Fernsehen. Branchen-Schätzungen zufolge müssen noch 30 000 Haushalte allein in Schleswig-Holstein umrüsten.
Bleibt die entscheidende Frage, warum die Umstellung überhaupt notwendig wird? „Jeder analog ausgestrahlte TV-Sender belegt einen sogenannten Transponder, der bei digitaler Nutzung genügend Bandbreite für zehn digitale TV-Sender oder drei bis vier hochauflösende HD-Sender bietet“, erklärt der Fernsehtechniker-Meister. Die Nachfrage der TV-Zuschauer nach immer mehr Sendervielfalt wächst – und davon profitiert unter anderem der Satellitenbetreiber Astra. Für jeden zusätzlichen Sender, der im Kampf um Reichweite (und Werbeeinnahmen) sein Programm ausstrahlen will, kassiert der Anbieter. Allein über Astra können 260 deutschsprachige Programme per Satellit empfangen werden – Tendenz steigend. Erst in dieser Woche hat RTL für den 1. April den Start des neuen Spartensenders „Nitro – Fernsehen für Helden“ angekündigt.
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