Nein nach fruchtigem Brotaufstrich roch es gestern noch nicht in der neuen Produktionshalle, dafür nach deftiger Bratwurst, die es zum Richtfest gab. Anfang September rollen hier die ersten Gläser mit Konfitüre vom Band – ein entscheidender Schritt für den Marktführer, um weiter zu wachsen. 2011 hatten die Schwartauer Werke 40 000 Tonnen Marmelade und Konfitüre hergestellt, das entspricht etwa 140 Millionen Gläsern. Die neue Fabrik hat eine Kapazität von 25 000 Tonnen, etwa 80 Millionen Gläser.
20 Millionen Euro kostet der Neubau, Land und EU haben drei Millionen beigesteuert. „Es ist die größte Investition in unserer Geschichte – eine tolle Sache für den Standort“, freut sich Markus Lenke (42), Vorsitzender der Geschäftsführung. Man wolle im Hauptmarkt Deutschland, aber auch im Ausland noch zulegen. „Der Export verspricht eine noch größere Wachstumsdynamik. In Skandinavien konnten wir 2011 unseren Umsatz um 50 Prozent steigern“, erklärte er. Der Vorteil des neuen, zweiten Konfitürenwerks: „Hier kann 24 Stunden lang be- und entladen werden.“ Im Werk 1 mitten in Bad Schwartau sei das aus Lärmschutzgründen nicht möglich. Zum Teil werden deshalb Anlagen von dort in den Neubau verlegt.
Eberhard Schulz, Geschäftsführer für Produktion und Technik, dankte allen Beteiligten für die sorgfältige und zeitgerechte Arbeit und blickte zurück: „Seit dem 4. Mai 2011, dem ersten Spatenstich auf dem alten Parkplatz, haben wir 5000 Kubikmeter Boden bewegt, 700 Meter Abwasserleitungen verlegt, 320 Tonnen Betonstahl verarbeitet.“ Er dankte auch den Nachbarn der Baustelle, die alles „ohne Murren mitgemacht“ hätten.
„Ein Richtfest ist wie eine Halbzeit beim Fußball, und die erste Halbzeit ist gut gelaufen“, befand Architekt Jan Gröpper. 24 Gewerke arbeiteten zurzeit auf der Baustelle, überwiegend Firmen aus der Region, „und es werden noch mehr“, kündigte Gröpper an.
„Schwartau ist das Herzstück von Hero, eine Vorzeigefirma für uns alle“, sagte der neue Vorstandsvorsitzende der Schweizer Hero Gruppe, Peter Amon. Er freue sich schon auf die erste Marmelade aus der neuen Halle. Und auch Bad Schwartaus Bürgermeister Gerd Schuberth (CDU) war froh, „dass der Standort auf Dauer gesichert ist“. Die Schwartauer Werke sind mit 780 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber. Weil das neue Werk auf Lübecker Stadtgebiet liegt, wird die Gewerbesteuer geteilt.
Zimmermann Volker Wulff von der Firma Köster aus Kiel hatte bei seinem Richtspruch dann auch die passenden Reime parat: „Konfitüre für die ganze Welt, wird in dieser Halle hergestellt“, rief er aus – bevor er die Handwerker, Architekten und Besucher hochleben ließ und sein Glas auf den Boden warf – wie es sich für ein Richtfest gehört.
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