Ich sage nicht: "Hoppla, jetzt komm' ich!"
spielt in "Gräfliches Roulette" (ARD, 25.05., 20.15 Uhr) und ist im BR in der Wiederholung "Baby frei Haus" (Mi., 26.05., 21.45 Uhr) zu sehen
teleschau: Sie sind zweifellos ein Komödienspezialist, mit "Um Himmels Willen" haben Sie erstaunliche Quoten am Dienstagabend erreicht. Nun spielen Sie einen verarmten Adeligen, der sein Schloss retten will, indem er einen Reinigungsunternehmer und dessen Familie adoptiert. Ein netter Film ...Fritz Wepper: Nett? - "Nett sind wir alle!", pflegt mein Bruder immer zu sagen. Ich denke, es ist ein unterhaltsamer Film geworden. Er war eine schauspielerische Herausforderung für mich, immerhin galt es ja, die Entwicklung eines verbitterten Adeligen, der sein Schloss zu verlieren droht und den seine Frau verließ, hin zum entspannten Junggesellen und Menschenfreund glaubhaft darzustellen. Es war Spaß und schöne Herausforderung zugleich.
teleschau: Hatten Sie Vorbilder, Sie kennen sich in Adelskreisen aus, sind ja sogar mit einer Adeligen verheiratet?
Wepper: Ich selbst bin alles andere als adelig, aber durch meine Frau Angela, durch viele Freundschaften, etwa mit Leopold Prinz von Bayern oder Eduard Prinz von Sachsen-Anhalt, unter anderem Präsident der "Deutschen Lebensbrücke", kenne ich mich einigermaßen aus. Ich bin sowohl mit dem normalen als auch mit dem Hochadel vertraut und habe auf unterschiedliche Weise sehr viele freundliche, höfliche und witzige Adelige kennengelernt. Ich wage es gar nicht, Vicco von Bülow alias Loriot zu nennen, der uns einen Humor vermittelt, wie nur er ihn vermitteln kann. Er hat mir übrigens bei den Dreharbeiten zu "Die Brücke" damals ein Strichmännchen-Porträt von mir mit Stahlhelm geschenkt, auf das ich noch heute stolz bin. Er hat im Film aus Freundschaft zu Wicki auch eine kleine Rolle, die eines Funkers, gespielt.
teleschau: Wie gut haben Sie sich mit Leonard Lansink, der sich in der neuen ARD-Komödie ja irgendwann als Ihr "Sohn" bezeichnen darf, verstanden? Er ist immerhin Westfale und SPD-Anhänger.
Wepper: Wir sind beide i-Phone-Freaks. Die Zusammenarbeit klappte wie geschmiert. Es war fast so wie bei Franck Ribéry und Arjen Robben. Die unterhalten sich ja auch nicht lange, die spielen einfach. Wir müssen uns nicht großartig über unseren Beruf unterhalten, das ist unser Handwerk. Ich denke, es gilt immer, eine bestimmte Situation zu spielen und nicht zu sagen: "Ich bin Komiker. Hoppla, jetzt komm' ich!"
teleschau: Der Spaß, den Sie beim Drehen, auch mit Karin Thaler und Anja Schüte hatten, kommt rüber. Ein bisschen fehlt vielleicht der ganz große Handlungscoup.
Wepper: Ich war mit den finalen Polizeiaktionen ein bisschen unzufrieden, mit der Verkleidung, die es da gibt. Einmal, das hätte gereicht. Zweimal - das war ein bisschen viel.
teleschau: Bricht da womöglich der alte Derrick-Assistent in Ihnen durch, der für Recht und Ordnung eintritt?
Wepper: Nein, ich will nicht den Polizeiexperten herauskehren, ich bin Schauspieler, weder Polizist noch Graf. Außerdem haben wir ja keinen Dokumentarfilm gedreht, das geht nun mal nicht eins zu eins.
teleschau: Dennoch hat der Film viel mit der Realität gemein. Es geht um ein Schloss und um einen nahegelegenen Golfclub, dessen Vorsitzende eben dieses zu einem Golfhotel umfunktionieren wollen. Sie sind leidenschaftlicher Golfer, wie man weiß. Wie jung ist ihre Leidenschaft?
Wepper: Wenn Sie meinen, dass ich ein Spätberufener sei, da liegen Sie völlig daneben. Ich habe 1964 angefangen. Trotzdem wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Sie kennen vielleicht den kürzesten Golfwitz, den es gibt: "Ich weiß jetzt, wie es geht", lautet der. (Im selben Augenblick ertönt ein Klingelzeichen im i-Phone. Fritz Wepper erläutert: "Ich habe gerade eine SMS bekommen: "Unser Platz ist toll in Schuss!")
teleschau. Sie sind Fußball- und Bayernfan. Trotzdem hat es Sie wahrscheinlich nicht wenig gefreut, dass ihre Serie "Um Himmels Willen" beim Bayern-Hinspiel im April gegen ManU in der ersten Halbzeit am Dienstagabend Quotensieger blieb.
Wepper: Klar, das geht natürlich runter wie Butter. Allerdings fürchte ich: Da hatte die Mutter, die die Serie zu Ende sehen wollte, ihre starke Hand im Spiel: Erst "Um Himmels Willen", dann das Bayern-Spiel!
teleschau: Fast neun Millionen sind ein toller Erfolg. Worauf führen Sie ihn zurück?
Wepper: Das Team mag sich. Die Arbeitsbedingungen sind fabelhaft, und wir haben in unserem ungekrönten König Michael Baier einen Autor, der die Serie immer wieder mit genügend Witz und Humor versorgt. Wir probieren am Set aber auch viel aus, wir improvisieren viel, lassen manches weg und manchmal lustige Wortverdreher wieder drin. Ich selbst verdanke dem Regisseur Uli Stark sehr viel, der mich als Wöller entdeckte. "Ich mach's nur mit dem Fritz Wepper", sagte der.
teleschau: Sie blicken auf eine über 50-jährige Karriere zurück. Eine erstaunliche Strecke.
Wepper: Mit einem Film wie Wickis "Die Brücke" 1959 zu beginnen, ist schon eine besondere Verpflichtung, die man eingeht. Man bekommt hohe Ansprüche an sich selbst und ist nicht auf die Meinung Dritter angewiesen. Der Erfolg ist allerdings kein Ruhekissen, alleine dafür kann man sich nichts kaufen. Mit meinen Rollen habe ich immer wieder Glück gehabt, selbst zu Komödien wie dem Publikumserfolg "Die blaue Kanone" stehe ich. Auch bei den "Traumschiff"-Filmen schäme ich mich für keinen Satz. Es war natürlich toll, etwa sechs Wochen auf der "Deutschland" unterwegs zu sein, von Sidney bis Tokio und dabei fast nebenbei neun Tage zu drehen.
teleschau: Beim Bayerischen Filmpreis haben Sie unlängst noch einmal die Geschichte von den zwei Brüdern und dem Beginn ihrer Schauspielleidenschaft erzählt.
Wepper: Ich hab' den Elmar auf dem Gewissen. Trude Kolman vom Theater "Die kleine Freiheit" suchte damals für das Stück "Eskapade" zwei Brüder, und ich zog ihn da mit rein. Wir haben jahrelang an der Münchner Jugendbühne gespielt und früh Erfahrungen mit Film und Fernsehen gesammelt.
teleschau: Die Liebe zur Schauspielerei war in Ihnen angelegt ...
Wepper: Ja, es kam durch die Mutter. Sie hat in ihrer Schulzeit selbst gerne Theater gespielt und uns nie was in den Weg gelegt, sie hat im Gegenteil viel Liebe und Verständnis gehabt. Als Kinder haben wir immer zwei Stühle zusammengestellt, eine Schnur gezogen, ein Badetuch drüber getan und dann Kasperltheater gespielt. Daran hab' ich mich erinnert, mit der Conclusio: "Dass wir nun hier stehen, wer hätte das gedacht!"
teleschau: Treten Sie auch wieder gemeinsam auf?
Wepper: Es gibt konkrete Pläne. Aber die Erwartungshaltung, die es zu beantworten gilt, ist eben sehr hoch. Es gibt leider keine Erfolgsrezepte für ein gutes Buch.
teleschau: 1972 haben Sie mit Liza Minelli "Cabaret" in den Bavaria-Studios gedreht. Es gab jüngst eine schöne Dokumentation, als Sie Liza in New York, ihrer Heimatstadt, besuchten. Was denken Sie heute über die Filmstadt in Geiselgasteig?
Wepper: Es ist schwer. Ich habe ja als Zwölfjähriger bei "Sauerbruch - Das war mein Leben" dort schon im Studio gestanden. Inzwischen kamen 40 Filme zusammen, größtenteils bei der Bavaria. Es war d e r Produktionsstandort in Deutschland, und ich erinnere mich gern daran, dass mir ein Bühnenarbeiter, den ich bei "Cabaret" fragte, wie es denn so ginge, sagte: "Fritz, wenn ich bei dieser Produktion einen Nagel in die Wand schlage, dann weiß ich ganz genau, warum." Inzwischen müssen Kameraleute bei Spielshows sehr häufig die immer gleiche Einstellung drehen. Das ist nun mal der Werdegang. Ich will nicht sagen: "Ich bin mit Zelluloid geimpft." Ich habe dem Fernsehen gegenüber keinerlei Berührungsängste, aber es ist trotz allem eben ein kaltes Medium, in dem man zwischen Katastrophenberichten und Horrormeldungen bestehen muss.
Fritz Wepper
Schauspieler
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Link: ARD-Infoseite Fritz Wepper
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