Güster – Während in Grevesmühlen seit Monaten über einen stromsparenden Betrieb der Straßenbeleuchtung diskutiert wird, geht geht in Güster (Kreis Herzogtum Lauenburg) das Licht der Straßenlaternen nachts nur noch auf Anruf an. Für eine Viertelstunde pro Anruf. Viele Bürger sind empört. Einige gehen nach 22.30 Uhr gar nicht mehr aus dem Haus, andere haben sich mit einer Taschenlampe ausgerüstet, um in „Düster-Güster“ die Orientierung nicht zu verlieren.
Die Rechnung der Gemeinde, Stromkosten zu sparen, sei aufgegangen, argumentiert Michael Gesche, stellvertretender Bürgermeister und Elektromeister. Er hat mehrere Lizenzen für das so genannte „Dial4Light“ und in die Schaltkästen der Gemeinde Modems eingebaut, damit sieben Strecken in Güster beleuchtet werden können: Nach dem Anruf (12-stellige Ziffer) wird ein Computer in Lemgo/Süddeutschland aktiviert. Eine Computerstimme fordert den Anrufer dann auf, eine sechsstellige Ortskennzahl einzugeben. Danach geht das Licht an. Zunächst sollte das Licht von 20 Uhr bis 6 Uhr aus sein. Nach Protesten wurde die Zeit auf 22.30 bis 6 Uhr festgelegt.
Dass die Gemeinde Strom spart, bezweifelt Willi Pigorsch, Sprecher der Bürgerinitiative „Güster Licht an“, nicht. „Stromkosten werden deshalb gespart, weil die Bürger den Dienst nicht nutzen und lieber zu Hause bleiben oder mit Taschenlampen unterwegs sind. Pro Abend werden die Lampen nur wenige Minuten aktiviert. Kosten entstehen der Gemeinde für die Lizenz, den Bürgern für Telefongebühren.“
Lizenznehmer sagt, dass durchschnittlich pro Strecke und Nacht einmal angerufen werde, um die Straßenlaternen zu aktivieren. Die prognostizierte Ersparnis der Stromkosten in Höhe von 4500 bis 5000 Euro im Jahr komme in etwa hin. Er sehe aber keinen Grund, die zunächst für ein Jahr geplante Aktion nicht zu verlängern. „Auch in anderen Gemeinden ist nachts das Licht aus. Es ist ratsam, sich mit einer Taschenlampe auszustatten.“ Das haben bereits viele Bürger getan, wie eine kleine Umfrage ergab. Wenna Gehrcke (79), die mit ihrem Hund „Spike“ unterwegs ist, sagt: „Ich bin froh, dass ich nachts nicht raus muss. Im Notfall nehme ich die Taschenlampe. Ich finde die Maßnahme nicht gut, aber was soll man machen?“ Auch John und Ursula Lindemann sehen keinen Vorteil: „Selbst wenn man mit dem Auto unterwegs ist, ist alles dunkel hier. Wir wollen uns nicht registrieren lassen, zu umständlich.“
Empört ist auch Karl-Ludwig Mietzner, Inhaber des Edeka-Marktes: „Bei uns ist gerade wieder eingebrochen worden. Weil alles dunkel ist, konnten die Täter in Ruhe die Schlösser für das Rolltor aufbrechen.“ Pächterin Anja Riesel sorgt sich um ihre Existenz: „Es ist schon das zweite Mal in zwölf Monaten. Für etwa 2000 Euro wurden Zigaretten gestohlen. Die Versicherung zahlt nicht mehr. Wenn montags auch der Bäcker und der Grieche zu haben, ist hier alles stockfinster, richtig gruselig.“ Marion Horn (77) bezeichnete die Aktion als „Quatsch“, der ohne Anhörung der Bürger geschehen sei. „Von Anfang an herrschte hier Kriegsstimmung. Ich habe keine Lust, endlose Nummern zu wählen und mich registrieren zu lassen. Es geht niemanden etwas an, wann ich wohin gehe. Wo bleiben eigentlich unsere Steuergelder?“ Ähnlich sieht es Jürgen Heise (47): „Wir wohnen in einer Nebenstraße mit nur einer Straßenlampe. Wenn die aus ist, ist alles dunkel. Ich habe keine Lust, für diesen Blödsinn zu bezahlen und anzurufen, um Licht zu kriegen.“ Und Jens Kromschröder (46) meint: „Ich nutze es, wenn ich mit dem Hund raus muss, aber ich glaube nicht an eine Ersparnis. Die Technik ist veraltet, die Lampen verschleißen schneller, wenn sie ständig an- und aus geschaltet werden.“ Aber es gibt auch Bürger, die die Maßnahme begrüßen, zum Beispiel Wiebke Albrecht (72): „Ich finde es gut, auf diese Weise zu sparen.“
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.

