Unvorhergesehene Probleme also. Das bestätigt Projektleiter Steffen Siefert. „Je mehr freigelegt wurde, desto mehr Probleme traten ans Tageslicht. Es gab sehr starke Setzungen. Deshalb wird der Umfang der Arbeiten auch deutlich größer.“
Hauptverantwortlich dafür sollen Baufehler aus der Vergangenheit sein. So seien Teile des Hauses, das 1730 errichtet wurde, auf Schlamm gegründet worden. Teile von Wänden stünden zudem auf zugeschütteten Brunnen. Und auch verlegte Rohre, so Siefert, hätten zu Verschiebungen geführt. Die Folge ist eine unterschiedliche Tragfähigkeit der Fundamente. Um die Statik zu verbessern, war ein so genanntes Hochdruckinjektionsverfahren notwendig, sagt Julia Hasse vom Bauministerium. „Dabei werden mit Druck Beton und Zement in den Untergrund gepresst.“
Damit allerdings nicht genug. Auch der Grundwasserspiegel bereitet den Experten Probleme. Um das Gebäude auf Dauer vor eindringender Feuchtigkeit zu schützen, wird nicht nur eine Ringdrainage um das Haus verlegt, sondern auch noch eine Flächendrainage im gesamten Kellerbereich, für die alle Fundamente durchbohrt werden müssen. „Das anfallende Wasser wird künftig über diese beiden Drainagen zum Schlossgraben geleitet, dessen Pegelstand wir auf das historische Niveau abgesenkt haben“, erklärt Siefert. Die Drainagearbeiten sollen in den nächsten Wochen beginnen, gestern hat der Bauleiter die Aufträge dafür geschrieben.
Statt der ursprünglich geplanten 5,2 Millionen Euro für die Sanierung des Haupthauses werden es jetzt mindestens 7,2 Millionen Euro, so Steffen Siefert. Der Bauleiter weist aber gleichzeitig darauf hin, dass beim ersten sogenannten Realisierungsabschnitt sehr gut gewirtschaftet worden sei. „Da haben wir Geld übrig gelassen.“ Da sich bei so einem alten, vielschichtigen Gebäudekomplex nicht alle Summe von vornherein genau beziffern ließen, würde sich erst am Ende der Sanierungsarbeiten zeigen, ob sie teurer werden als geplant oder auch nicht, erklärt Siefert. In vier Jahren sollen die Bauarbeiten des zweitgrößten Barockschlosses in Mecklenburg-Vorpommern fertig sein. Vorgesehen sind dafür 18,5 Millionen Euro.
In den jetzt zusätzlich fürs Haupthaus nötigen zwei Millionen Euro ist auch der Bau eines Aufzuges enthalten. „Der war bislang nicht eingeplant“, verrät Siefert. Außerdem sollen von dem Geld zusätzliche Restaurierungsarbeiten finanziert werden. „Bei der Freilegung der Wände haben wir interessante Farbfassungen an Holzpaneelen gefunden. Die sollen wieder hergestellt und später den Besuchern gezeigt werden“, sagt Siefert. Bereits im Juli, am Bothmertag, soll das Haupthaus seine Türen für Gäste öffnen. „Um zu zeigen, was hinter den Wänden alles los ist.“
Das Land hatte Bothmer nach mehreren erfolglosen Privatisierungsversuchen des Kreises Nordwestmecklenburg vor drei Jahren übernommen. Für die Sanierung werden überwiegend europäische Mittel aus dem Programm ELER (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) eingesetzt.
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