Interview von Peter Preuß
Lübecker Nachrichten: Herr Anders, am Sonntag sind Sie im Dorf Gamehl im Schloss Gast beim Talk und wollen Ihre Autobiografie „100 Prozent Anders“ vorstellen. Was treibt Sie in die Provinz?
Thomas Anders: Ich freue mich auf die Menschen, die ich dort treffen werde. Mal sehen, wie viel kommen. Hoffentlich sind es recht viele.
LN: Das Dorf Gamehl liegt nur einige Kilometer entfernt von der Hansestadt Wismar. Wann waren Sie zuletzt in Wismar?
Anders: Oh, das weiß ich gar nicht so genau. Zuletzt war ich in Schwerin, aber wann?
LN: Ich helfe Ihnen. Sie waren in Wismar am 12. September 1989. Da existierte noch die DDR. Am Abend gaben Sie in der Mehrzweckhalle vor 1700 Zuschauern ein Konzert. Können Sie sich daran noch erinnern?
Anders: Das ist schwer, doch. Bei diesem Auftritt war ich extrem erkältet, meine Stimme war fast weg. Ich sagte, tut mir leid, ich kann heute nur die Hälfte meines Konzertes singen, dafür quatsche ich mehr. Das war so witzig und kam auch bei den Leuten an. Normalerweise hatte ich 16, 17 Songs in meinem Programm. Ich habe aber wirklich nur acht oder neun hingelegt, weil es einfach mit der Stimme nicht ging. Später kamen die Leute zu mir und haben sich noch dafür bedankt.
LN: Wissen Sie, wer Sie damals begleitet hat?
Anders: Meine Band.
LN: Wer noch?
Anders: Meine Ex-Frau Nora.
LN: Dem Wismarer Publikum sagten Sie damals, dass nicht Nora, sondern Dieter Bohlen Schuld an der Auflösung von Modern Talking 1987 gewesen sei. Bohlen hatte das Gegenteil behauptet. Wie war es nun wirklich?
Anders: Das kann man ja in meinem Buch nachlesen. Nun gut. Es ist einfach zu leicht gesagt und da muss ich Dieter widersprechen. Das hat ja bei ihm schon Methode. Immer sind andere schuld und er weiß immer genau Bescheid und alle anderen nicht. Das ist langsam langweilig und ermüdend.
LN: Damals haben Sie Ihre Frau Nora förmlich vergöttert. Jetzt will sie Sie wegen einiger Passagen, die Sie ihr in Ihrem Buch gewidmet haben, verklagen. Was sagen Sie dazu?
Anders: Dazu sage ich gar nichts, weil es ein schwebendes Verfahren ist. Ich könnte dazu sehr viel sagen, aber ich will es nicht tun, solange das schwebende Verfahren noch läuft.
LN: Am 7. Juni 2003 gaben Sie zusammen mit Dieter Bohlen im Rostocker Ostseestadion ein Konzert. Noch auf der Bühne verkündete Bohlen zum zweiten Mal die Auflösung von Modern Talking. Was war hinter der Bühne passiert?
Anders: Auch das steht in meinem Buch. Ganz einfach. Ich bin in Amerika bei einer Show aufgetreten, die er nicht machen wollte. Im Nachhinein wollte er davon nichts wissen, dass er das wusste. Das ist wieder typisch Bohlen, der andere ist schuld, weil man selber zickig ist.
LN: Wenn Dieter Bohlen Sie heute fragen würde, ob Sie bei ihm in der Jury Deutschland sucht den Superstar (DSDS) oder Supertalent mitmachen wollen. Würden Sie die Einladung annehmen?
Anders: Ich glaub’, das bringt nichts. Rein hypothetisch, er würde das nicht machen und ich würde das auch nicht machen wollen. Es war ja früher bei ihm so, wenn wir im Fernsehen geprobt haben, musste einer beaufsichtigen, wie viel Sekunden er im Bild ist und wie viel Sekunden ich. Wenn das zu meinen Gunsten ausfiel, mussten neue Schnitte gemacht werden. Das ist alles so gequält und genervt, da will ich mir gar nicht ausmalen, wie es dann in der Jury sein würde.
LN: Was halten Sie überhaupt von Castingshows?
Anders: Das ist mittlerweile inflationär. Es geht ja auch nicht mehr darum, Talente zu suchen. So viele Talente kann das Land überhaupt nicht hervorbringen. Wie viele Top-Talente oder Super-Talente werden denn im Laufe eines Lebens geboren? DSDS, das sagt ja auch RTL, ist ja gar keine richtige Castingshow mehr. Es ist ja eher Comedy. Ob es sich nun um Gesangscastings, Moppelcastings oder was weiß ich für ein Casting handelt, es geht doch nur noch um skurrile Personen, die man vor über 200 Jahren über den Jahrmarkt geschoben hätte. Dass man darüber lachen kann, hat für mich wirklich keine Qualität. Da bin ich ganz ehrlich.
LN: Was raten Sie denn jungen Leuten, die aber auch gerne einmal im Rampenlicht stehen möchten?
Anders: Denen kann ich nur abraten. Seine Zukunft kann man mit Castingshows nicht aufbauen. Also, wenn eine Bäckereifachverkäuferin halt berühmt werden möchte, dann soll sie an der Castingshow teilnehmen. Wer sich aber als Musiker ernst nimmt, der sollte niemals an einem Casting teilnehmen.
LN: Sie haben sich ja auch für das Musikgeschäft entschieden und dabei viel Erfolg gehabt und sehr viel Geld verdient. Warum sollten es junge Leute nicht auch probieren?
Anders: Okay. Bei mir ging es mit Modern Talking gut. Das ist aber ein Verhältnis von 1:100. Bei 99 Personen geht das aber nicht gut. Und ich hatte nun mal das Glück, worüber ich auch sehr dankbar bin. Aber grundsätzlich, ich wollte schon als Sechsjähriger auf der Bühne stehen und hatte nicht mit 17 ein paar Flausen im Kopf, zum Beispiel als Kfz-Mechaniker, der keinen Bock mehr hat, unter die Ölwanne zu kriechen, nach dem Motto, ich will mal ganz schnell berühmt werden. Das kann keine Zukunft haben. Unsere Branche ist so was von knallhart, man braucht so viel Disziplin und man hat so viel Entbehrungen, dass das nicht einfach so geht.
LN: Was machen Sie derzeit?
Anders: Ich bin auf Promotiontour für mein Buch und in der Vorbereitung für mein neues Album. In diesem Jahr habe ich noch 18 Shows in den nächsten acht Wochen und bereite schon das nächste Jahr vor.
LN: Haben Sie heute noch Kontakt zu Nora?
Anders: Bis vor zwei Monaten. Aber nun muss ich erst einmal abwarten, was kommt. Dann werden wir weitersehen.
Eintrittskarten (20 Euro, inclusive 1 Glas Sekt und Fingerfood) gibt es noch an der Tageskasse, Einlass: 16 Uhr, Beginn: 17.30 Uhr.
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