Denn unabhängige Experten haben einen Brandschutzbedarfsplan erstellt und dabei festgestellt, dass die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr Selmsdorf zwischen 8 und 18 Uhr gefährdet ist. „Tagsüber fehlen uns Leute“, sagt Wehrführer Daniel Zabel. Es gebe ein Defizit von drei Leuten.
„Jetzt rächt es sich, dass wir die Ortswehr Teschow aufgelöst haben“, sagt Selmsdorfs stellvertretender Bürgermeister Christian Albeck, der damals gegen die Auflösung gestimmt hatte. Rund 30 Mitglieder hatte die Teschower Wehr. Viele haben vor Ort gearbeitet, waren Landwirte und damit auch tagsüber einsatzbereit. Viele der Selmsdorfer Feuerwehrleute arbeiten dagegen in Lübeck und damit zu weit weg, wenn es brennt. Christian Albeck sagt: „Cleverer wäre es gewesen, die Teschower Feuerwehrleute in die Selmsdorfer Wehr zu integrieren.“ Wegen des Streits traten viele Teschower allerdings aus der Feuerwehr ganz aus.
Wehrführer Zabel nimmt Bürgermeister Detlef Hitzigrat jetzt in die Pflicht. Er ist oberster Dienstherr der Feuerwehr. „Er muss sich einen Kopf machen, wie wir das hinkriegen mit der Einsatzfähigkeit tagsüber.“ Eine Möglichkeit für Zabel: die Betriebsfeuerwehr der Deponie hilft. Eine zweite: Man könnte Mitarbeiter bei Firmen im Gewerbegebiet fragen, die Mitglieder in anderen Wehren sind, ob sie tagsüber aushelfen, wenn Not am Mann ist.
Der Brandschutzbedarfsplan ist heute Abend auch Thema der Gemeindevertretersitzung. Dann möchten die Feuerwehrleute wissen, wie andere Mängel behoben werden sollen, die die Experten aufgedeckt haben: die zwölf Atemschutzgeräte haben sie zum Beispiel als „ausreichend“ eingestuft. „In ein paar Jahren brauchen wir neue, weil die Ersatzteilproduktion für unsere Geräte eingestellt wird“, sagt Zabel. Kosten pro Gerät: rund 2000 Euro. Auch die Hebekissen müssten erneuert werden. Sie sind älter als zehn Jahre. Ähnlich sieht es bei den Chemikalienschutzanzügen aus.
Der Brandschutzbedarfsplan empfiehlt auch, eine Wärmebildkamera für die Feuerwehr anzuschaffen. Unter anderem, weil es die Deponie gibt. Kosten für so eine Kamera: um die 10 000 Euro. Christian Albeck: „Da sehe ich aber auch die Deponie in der Pflicht.“ Für Wehrführer Zabel ist so eine Wärmebildkamera nicht nur wegen der Deponie wichtig. „Damit könnten wir bei einem Einsatz in großen Firmen im Gewerbegebiet Personen leichter entdecken.“
Streit zwischen Feuerwehr und Gemeinde gibt es auch wegen des Rüstwagens. Der stammt aus dem Jahr 1981. Die Feuerwehr will ein neues Fahrzeug – mit Allrad. „Die Wintermonate haben gezeigt, wie wichtig das ist. Auch um auf die Berge der Deponie zu kommen“, sagt Zabel. Er wünscht sich ein LF 20/25. Die Kosten dafür: 335 000 Euro. Für die Gemeinde ist das zu teuer. Sie sagt: es muss kein LF 20/25 sein. Ein LF 20 reiche. Und es müsse auch kein neues Fahrzeug sein. Ein Gebrauchtes reiche. Zabel: „In ein gebrauchtes Fahrzeug muss aber noch mal investiert werden für den Umbau. Am Ende kostet das genauso viel wie ein neues Fahrzeug.“
Zabel hofft, dass der Streit zwischen Feuerwehr und Gemeinde durch den Brandschutzbedarfsplan beigelegt wird. Das geht seiner Meinung nach aber nur, wenn die Gemeinde behebt, was die Gutachter bemängelt haben. Für die Gemeinde Selmsdorf könnte das bedeuten, dass sie in den kommenden Jahren bis zu 500 000 Euro investieren muss. Die Kosten für das Gutachten: 10 000 Euro.
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