Grevesmühlen/Upahl – Als Detlev Junghans die Tür öffnet, drängen sich sofort zwei Hunde an dem hageren Mann vorbei. Die Tiere wollen sich bewegen, sind agil. Junghans bewegt sich langsam. Der 46-Jährige lebt im Obdachlosenheim in Upahl. Hier verbringt er die meiste Zeit, da er, wie er sagt, „kaum wegkommt.“ Das Obdachlosenheim ist ein altes Bauernhaus. Es gibt einen großen Hof, Enten laufen herum. Mit Piratenflaggen geschmückte Garagen gibt es, Blumenkästen vor den Fenstern. In einem steckt eine Bierflasche.
Anders als in Großstädten übernachten Obdachlose in Grevesmühlen und den Dörfern nicht in Hauseingängen, sie betteln auch nicht in der Einkaufsstraße. Sie leben in provisorischen Unterkünften in Grevesmühlen und im Upahler Heim. Es sind die unterschiedlichsten Gründe, warum die Menschen hier landen. Arbeitslosigkeit, Scheidung, Alkohol und Drogen spielen eine Rolle, manchmal kommt auch alles zusammen.
Detlev Junghans war früher Landwirt. Irgendwann verlor er seinen Job, seine Geschwister ließen ihn fallen. Die Eltern waren gestorben. 13 Jahre ist das alles her, in dieser Zeit hat der 46-Jährige auf der Straße geschlafen und in einem alten Bauwagen gehaust. Heute lebt er mit seiner Lebensgefährtin zusammen. Er hat sogar eine Umschulung zum Maler hat gemacht, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Um wieder ein Ziel zu haben. „Als mein Vater noch lebte, wollten wir uns selbstständig machen.“
Optimismus sieht anders aus. Auch Detlev Junghans weiß, dass seine Voraussetzungen nicht die besten sind. Und ohne Hilfe geht kaum etwas. „Betreuer können versuchen, ihnen eine Wohnung zu beschaffen“, erklärt Klaus Welzer, Leiter des Ordnungsamtes. Doch im Vorfeld steht ein komplizierter Prozess über die Betreuungsbehörde an. „Danach entscheidet ein Gericht, ob der oder die Obdachlose betreut wird oder nicht.“
Präventiv zu handeln, ist an der Tagesordnung. Klaus Welzer verdeutlicht: „Wir versuchen schon vorher, Betreuer zu beschaffen, damit die Familien gar nicht erst aus den Wohnungen raus müssen. Aber in den wenigsten Fällen können wir etwas machen. So ohne Weiteres kommt es nicht zur Obdachlosigkeit. Oft ist es so, dass die Menschen ihre Miete nicht bezahlen oder sozial verwahrlost sind und der Vermieter sie herauswirft.“ Nachdem die Wohnung geräumt ist, landen die Betroffenen in der Notunterkunft in Upahl oder einem der Container in der Gebhardstraße in Grevesmühlen – je nach Verfügbarkeit. Für eine Mutter mit Kind wird auch schon eine Einzimmerwohnung angemietet. Derzeit gibt es im Bereich des Amtes Grevesmühlen-Land 25 Personen ohne festen Wohnsitz.
Im Container hat jeder Obdachlose einen eigenen Raum. Toiletten und Duschen werden geteilt. Eine Gemeinschaftsküche gibt es dort schon lange nicht mehr. „Da würde keiner aufräumen, das sähe aus wie im Saustall. Es müsste einer dort sein, der 24 Stunden wacht, dass die Obdachlosen keinen Mist machen. Wenn jeder eine eigene Kochstelle hat, passt er schon auf“, erklärt Klaus Welzer.
Dabei ließen sich viele Obdachlosenfälle schon im Vorfeld vermeiden. „Es sind immer Schicksale damit verbunden, aber meistens ist es so, dass die Betroffenen auch selbst Schuld sind. Vieles würde sich vermeiden lassen, wenn sie sich eher melden würden. Es gibt auch Familien, die kann man nicht in die Blechbehausungen schicken, die belassen wir in der Wohnung, bis sie ihre Schulden bezahlt haben.“
Doch das ist nicht leicht. Denn Hartz IV beläuft sich derzeit auf 374 Euro. Damit muss auch Detlev Junghans auskommen. Am Monatsanfang, wenn das Geld kommt, ist es noch einfach. Er zeigt auf das Fleisch auf seinem Tisch: „Das muss ich mir für eine Woche einteilen“ erklärt er und hält eine Tüte mit Fleischwürsten hoch. Er hat alles abgepackt, kocht Essen für seine Hunde in der Küche. „Ich passe hier auf alles auf. Dafür habe ich ja meine Wachhunde.“
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