Wismar – „15 Zentimeter Eisdicke vor den Toren der Hansestadt und jetzt kein offenes Wasser mehr bis auf Höhe Poel“, lautet der aktuelle Stand von gestern früh. Die konkreten Angaben stammen von Eckhard Rath. Schließlich haben er und seine dreiköpfige Crew am frühen Morgen gerade die erste, eisige Kontrollfahrt mit dem Seezeichenschiff „Sturmmöwe“ in der Wismarbucht hinter sich. Mit den ermittelten Ergebnissen füttern sie – ebenso wie andere Behördenfahrzeuge an den Küsten – einen umfangreichen Datensatz. Daraus veröffentlicht das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) den täglichen Eisbericht und erstellt Kartenmaterial für die gesamte Seeschifffahrt im Zuständigkeitsgebiet der Ostseeküste. In diesem Fall ist von Interesse, wie sich die Eissituation im Fahrwasser bis zum Wismarer Hafen zeigt. „Noch nicht dramatisch“, lautet das Urteil der Fachleute. Reger Schiffsverkehr sorgte bisher für eine Rinne aus Schollen und Trümmereis. Damit besteht vorerst keine eine Behinderung für die Berufsschifffahrt. Auch im Seehafen gab es bisher noch keine Behinderungen. Sollte sich das ändern, greife eine vertragliche Regelung mit einem Schleppern der Fair-Play-Reederei, heißt es von Seiten des Hafenamtes.
„Kleine Fahrzeuge ohne Eisverstärkung, Holzschiffe, wenn auch mit Eisschutz, oder Stahlschiffe mit niedriger Maschinenleistung sollten da schon gut überlegen, was für sie noch möglich ist“, rät dennoch der erfahrene Schiffsführer Rath, der schon so manchen Eiswinter erlebt hat. Mit seinem manövrierfähigen Fahrzeug, das eigentlich für Operationen mit Seezeichen der verschiedensten Art bestimmt ist, kann er im Bedarfsfall Eis bis etwa 20 Zentimeter Stärke brechen. Die Datenerfassung ist allerdings nur das Vorspiel, denn auf die Mitarbeiter vom Wismarer Außenbezirk des Wasser- und Schifffahrtsamts Lübeck wartet auch noch ein „eiskalter Job“. Das ist in diesem Fall nicht übertrieben, denn dass Außenthermometer zeigt noch minus 16 Grad, als sich gegen 9 Uhr die „Sturmmöwe“ in Fahrt setzt und von Schwärmen aufgeschreckter Wasservögel begleitet wird. Denn diese mussten dadurch ihr letztes freies Wasserloch verlassen.
Das Eis poltert, rumpelt und kracht als es vom Bug des 21 Meter langen Fahrzeuges immer wieder in Schollengröße zerteilt wird. Nach einem kurzen Schwenk in den vorderen Bereich des Alten Hafens reagiert das aufgewühlte und damit wärmere Oberflächenwasser spontan mit der Eiseskälte: dichter Nebel bildet sich ganz plötzlich bei diesem Temperaturunterschied von fast 20 Grad. Doch dafür haben die Männer an Bord nur einen kurzen Blick übrig. Sie konzentrieren sich auf das zügige Bergen der empfindlichen Solarkompaktaufsätze (SKA).
Sie sind als modernste Leuchttonnengeneration längst im gesamten Fahrwasserbereich der Wismarbucht positioniert und haben damit die Generation der gasbefeuerten Seezeichen abgelöst. Winterfest verpackt stehen Lampenfachmann Wilfried Lange sowie die weiteren Crewmitglieder Udo Wollschläger und Techniker Horst Rabenhorst an Deck bereit.
Der bedient trotz Eiseskälte mit Fingerspitzengefühl den Bordkran. Indessen führen seine beiden Kollegen geschickt das Hebezeug in die Halterung des solaren Leuchtsystems. Es bedarf nur eines kurzen Klicks am Schnellverschluss. Dann hängt die teure und gegen Eispressung empfindliche Lichttechnik am Kranhaken. Wenig später ist die Technik sicher an Deck gelagert. Dies passiert an diesem Tag insgesamt zehn Mal. Die stählernen Tonnenkörper verbleiben indessen in der See.
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