Seit zehn Jahren zeigt er Besuchern Wismars Schokoladenseiten. „Es macht mir Spaß, weil ich auch gerne mit Leuten zusammen bin“, ergänzt der Vorsitzende des Vereins „Gästeführer Hansestadt Wismar“. Im Januar 2005 war der Verein mit 18 Mitstreitern gegründet worden, heute zählt er 29 Mitglieder.
„Stadtführungen spielen seit jeher eine besondere Rolle im touristischen Angebot Wismars“, sagt Kai-Michael Stybel, Leiter der Tourismuszentrale Wismar. Im letzten Jahr hat die Zentrale 39 000 Teilnehmer registriert. Diese verteilen sich auf rund 2000 Stadtführungen, ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Jahr 2010. Die Touristinformation greift dabei auf einen Pool von etwa 45 Stadtführern zurück, die meisten sind in dem Gästeführerverein organisiert.
So wie Dietrich Haase. Seit zehn Jahren bietet er als Honorarkraft Stadtführungen an: „Man sollte ein Herz für die Stadt haben und sie mit viel Elan erklären können.“ – „Ein Event daraus machen für die Gäste“, fügt Kai-Michael Stybel hinzu. Seit vier Jahren verleiht Dietrich Haase der ehrenvollen Aufgabe zusätzlich einen besonderen Stempel. Denn viele Wismarer und Touristen kennen ihn auch als Nachtwächter (siehe Foto). Mit dieser Figur ist er ebenso ein Hingucker wie Dr. Josef Staffa als Störtebeker. Beide bieten ab Mitte März wieder diese besonderen Führungen an, „die sich bei Besuchern einer besonderen Beliebtheit erfreuen“, weiß Wismars Tourismuschef.
Den heutigen Weltgästeführertag nimmt Kai-Michael Stybel zum Anlass, um für mehr Vielfalt zu werben. „Wir sind auf der permanenten Suche nach Gästeführer-Nachwuchs. Wir haben sicherlich beim Fremdsprachenangebot einen Nachholbedarf und können weitere Impulse wie mit Figuren vom Nachtwächter und Störtebeker gebrauchen. Aber wichtig ist dabei Glaubwürdigkeit“, denkt er zum Beispiel an Wismars Schwedenzeit und könnte sich einen schwedischen Soldaten vorstellen. Doch in einem Punkt will Kai-Michael Stybel keine Abstriche machen: „Unser hoher Anspruch an die inhaltliche Qualität bleibt aber bestehen.“ Damit vertritt er keine andere Auffassung als Dietrich Haase. „Es tut schon weh“, spielt er auf Laien an, die oberflächlich die Stadtgeschichte erzählen. Der Gästeführerverein bietet daher jährlich mehrere Fortbildungsveranstaltungen für seine Mitglieder an, besucht Kirchen wie Hotels, informiert sich über das Haffeld wie über die Molkerei und Persönlichkeiten der Stadtgeschichte.
Neueinsteiger werden bei entsprechender Teilnehmerzahl über die Kreisvolkshochschule am Standort Wismar ausgebildet, ansonsten ist in der Tourismuszentrale am Markt auch ein Leitfaden erhältlich. Am Ende folgt eine Art Prüfung. Ständige Fortbildung ist aber unerlässlich. Da der 23. Weltgästeführertag unter dem Motto „Durch Tür und Tor“ steht, hat sich Dietrich Haase noch mal besonders mit den Stadttoren, den typisch hanseatischen Schmuckgiebeln sowie Kirchenportalen vertraut gemacht.
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