Im Moment tragen die Mitarbeiter der Verwaltung noch Daten zusammen, auf deren Grundlage im Rahmen des Projekts „Länger leben in MV“ letztendlich Hilfen für psychisch kranke alte und demente Menschen geschaffen beziehungsweise Angebote verbessert werden sollen. Es handelt sich um ein Modellprojekt des Landesverbands Sozialpsychiatrie, an dem Nordwestmecklenburg teilnimmt.
Wie Gabor Hartung aus dem Fachdienst Soziales dem zuständigen Kreisausschuss erläuterte, gebe es inzwischen eine Lenkungsgruppe im Landkreis, der Vertreter des Landesverbandes Sozialpsychiatrie, des Hanseklinikums Wismar sowie des Fachdienstes Soziales angehören.
In einer ersten Bestandsaufnahme sei die Bevölkerungsstruktur des Kreises – eingeteilt in vier Versorgungsbereiche – nach Alter aufgegliedert worden. „Die Altersstruktur ist in diesen Versorgungsbereichen in etwa gleich“, sagte er. Allerdings habe Wismar bereits jetzt die Spitze bei der Zahl der über 65-Jährigen erreicht, „wobei die Zahl dann etwas abnimmt und sich dann einpegelt“.
Im übrigen Landkreis sei die Welle der über 65-Jährigen erst in zehn bis fünfzehn Jahren zu erwarten. In Speckgürteln der Städte Wismar, Schwerin oder Lübeck falle das Verhältnis von alten zu jungen Einwohnern deutlich zu Gunsten der jüngeren aus. Das sei auf die Wohngebiete zurückzuführen, die dort entstanden seien und in denen viele junge Familien lebten. In anderen Gegenden gebe es kaum ein Gegengewicht zu den älteren Einwohnern mehr. Die Gemeinde Bibow bei Warin sei in dieser Hinsicht Schlusslicht. Hier komme auf jeden Einwohner unter 65 Jahren ein Einwohner über 65, was jedoch auf die große Pflegeeinrichtung im Ortsteil Nisbill zurückzuführen sei.
Bei der Bestandsaufnahme der vorhandenen Einrichtungen sei durch Befragungen festgestellt worden, dass „die Versorgung des Landkreises mit ambulanten Diensten ausreichend zu sein scheint, die Versorgung mit teilstationären Angeboten jedoch nicht, sodass an strategisch guten Orten, zum Beispiel Grevesmühlen, die Neuerrichtung von Tagespflegeangeboten sinnvoll erscheint“, so Hartung.
Auch bei stationären Angeboten gebe es Bedarf – alle bestehenden Einrichtungen hätten Wartelisten. Allerdings ist hier ein Zuwachs nur bedingt erwünscht. Im Vordergrund steht „die Stärkung der ambulanten Angebotsstruktur“, fügte er hinzu. Im nächsten Schritt müsse die Qualität der vorhandenen Angebotsstruktur diskutiert werden.
Als ein weiteres erstes Resultat der Bestandsaufnahme merkte er an, dass im Landkreis dringend Angebote für psychiatrisch erkrankte ältere Menschen mit Unterbringungsbeschluss benötigt würden. „Die Einrichtung von geschlossenen Plätzen im Landkreis würde die Möglichkeit geben bzw. verbessern, Fälle geschlossener Unterbringung besser zu steuern, sowohl im Hinblick auf die Eingliederungshilfe als auch bei der Pflege“, erklärte Hartung. Wichtig seien auch Wohngruppen für Demenzkranke. Ziel sei hier „die Verlängerung der ambulanten Hilfen, ein längerer Verbleib im gewohnten Lebensumfeld“.
Wie Kerstin Weiß, zweite Stellvertreterin der Landrätin und zuständige Fachbereichsleiterin, ergänzte, gehe es bei der Entwicklung des Pflegekonzepts insbesondere um die Kostendämpfung. Für die Unterbringung in Pflegeheimen werde der Landkreis herangezogen, sofern der Betreffende selber nicht die erforderlichen Mittel aufbringen könne.
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