Grevesmühlen – Das Piraten-Theater wird zur Chefsache. Nachdem in der Vorwoche zunächst keine Einigung zwischen der adventure-production GmbH und einigen Anwohnern erzielt werden konnte und das Theater somit kurz vor dem Aus stand, hat sich am Montag Bürgermeister Jürgen Ditz mit einem Kompromissvorschlag in den Streit eingeschaltet. „Ich hoffe weiterhin, dass eine Lösung möglich ist“, sagte Ditz. Die adventure-production GmbH hat dem Vorschlag des Bürgermeisters bereits zugestimmt. Mit den von Rechtsanwalt Torsten Renzow vertretenen Anwohnern muss noch gesprochen werden. Eine Entscheidung, so die Hoffnung von Stadt und Theaterbetreiber, soll noch in dieser Woche fallen.
Der Vorschlag von Jürgen Ditz umfasst drei Kernpunkte. Vom Grundsatz her soll die zwischen der Piraten Open Air GmbH und den Anwohnern geschlossene Vereinbarung wieder aufgenommen werden. Zusätzlich zu außerhalb des gesetzlichen Rahmens festgelegten Maximalpegeln soll ein Mittelungspegel festgehalten werden, der zehn Dezibel über den Richtwerten der Freizeitrichtlinie liegt. Genaue Werte sollen in den Gesprächen und im Einzelfall festgelegt werden.
In einem am Montag neu abgegebenen Angebot der adventure-production hatte sich Peter Venzmer als Bevollmächtigter des im Ausland befindlichen Matthias Sievert noch dazu bereit erklärt, sich im Theaterbetrieb an die Freizeitrichtlinie halten zu wollen. „Bisherige Messungen waren allerdings höher“, sagte Lars Prahler, Bauamtsleiter der Stadt Grevesmühlen. Deshalb reiche die bloße Zusage der Einhaltung der Richtlinie nicht aus, weshalb die Stadt nun einen eigenen Vorschlag mit höheren Werten gemacht hat. Prahler: „Wir sind an einer Konsenslösung interessiert, mit der alle leben können.“
Punkt zwei des städtischen Vorschlags umfasst den weiteren Umgang beider Parteien miteinander. „Zukünftige Streitigkeiten sollen im ersten Schritt immer außergerichtlich in Form von Schlichtungs-, Mediations- oder ähnlichen Verfahren behandelt werden“, heißt es in der Erklärung.
Drittens trage die Stadt die Vereinbarung mit. Nicht mehr die Freizeitrichtlinie gelte als gesetzliche Grundlage sondern die vereinbarten Werte. Außerdem hält sich die Stadt ein Sonderkündigungsrecht des Pachtvertrages im Falle „der vorsätzlichen, wiederholten und/oder signifikanten Missachtung der Vereinbarung des Betreibers“ vor. Zudem soll ein Gutachter eine Lärmprognose erstellen und die Saison fachlich begleiten. Darüber hinaus sollen aussagekräftige Messungen erfolgen. An den Kosten dafür soll sich der Betreiber mit 2000 Euro beteiligen. Die Stadt geht davon aus, dass die Kosten in diesem Punkt sich auf etwa 4500 Euro belaufen werden.
„Es wird schwierig werden“, sagte Rechtsanwalt Torsten Renzow, der sich nochmals dagegen wehrt, dass nun seine Mandanten für das mögliche Scheitern des Theaters verantwortlich gemacht werden. „Dreh- und Angelpunkt der Interessen meiner Mandanten ist Ruhe, nicht Geld“, sagte Renzow. „Das Piraten Open Air Theater ist an wirtschaftlicher Inkompentenz von Herrn Venzmer und seinen Leuten gescheitert.“
Renzow geht die vorgeschlagene Vereinbarung nicht weit genug. Er fordert konkret festgelegte Lärmpegelwerte. Sollten diese nicht eingehalten werden, müsse es entsprechende Konsequenzen geben. Dabei mag er an die Umsetzung eines Sonderkündigungsrechtes nicht so recht glauben. „Dann soll das Gesetz gelten“, sagt Renzow, „Und die Stadt hat das Gesetz umzusetzen.“ Würde bedeuten, bei Verstoß gegen die vereinbarten Werte sei das Theater zu schließen. Darüber hinaus solle die Vereinbarung zunächst für maximal ein Jahr gelten. An der Zeitspanne waren unter anderem die Gespräche in der vergangenen Woche gescheitert. Die adventure-production GmbH habe eine Laufzeit von drei Jahren gefordert. Der aktuelle Vorschlag, so Bauamtsleiter Lars Prahler, „geht davon aus, dass eine unbefristete Vereinbarung erzielt wird.“
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