Fäden in Sachen Pflegeeltern zusammen: Brigitte Laduch, Beate Dellin, Andrea Gering und Elke Aurich (v. l.).
Wismar/Grevesmühlen – Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr. – Dass der erste Teil dieser Redensart keinesfalls zutrifft, können alle bestätigen, die mit der Problematik Pflegeeltern zu tun haben. Auf der einen Seite diejenigen, die es gern werden wollen. Auf der anderen die, die sich mit der Suche nach diesen besonderen Paaren, deren Vorbereitung auf diese verantwortungsvolle Aufgabe und deren Unterstützung beschäftigen.
62 Pflegefamilien gibt es derzeit im Landkreis Nordwestmecklenburg. Sie sind Eltern auf Zeit für insgesamt 80 Kinder, die aus den verschiedensten Gründen auf längere Zeit oder manchmal auch kurzfristig nicht in ihrem eigenen Zuhause aufwachsen können. Im Pflegekinderwesen, angesiedelt im Sachgebiet Sozialpädagogischer Dienst, das wiederum zum Fachdienst Jugend gehört, laufen die Fäden zusammen.
„Pflegefamilien sind ein Thema, das für alle Beteiligten nicht einfach ist, aber dennoch ein sehr wichtiges“, weiß Beate Dellin, Leiterin des Fachdienstes. Denn Eltern auf Zeit sind ein wichtiger Bestandteil der Hilfsangebote an Familien und in erster Linie die Kinder, die darin aufwachsen.
„Wir schätzen unsere Pflegeeltern enorm. Sie sind ganz wichtige Bezugspersonen, begleiten die Kinder und bereiten sie auf die Zukunft vor“, so Beate Dellin. Was diese Eltern auf Zeit leisten, sei nicht mit Geld zu bezahlen, verdiene die allergrößte Hochachtung. Zwar bestehe derzeit kein akuter Mangel an Pflegeeltern, so die Fachdienstleiterin weiter, aber dennoch würden immer wieder welche gesucht, zumal es ein langer Weg ist von der Entscheidung, Eltern auf Zeit zu werden, bis hin zur tatsächlichen Realisierung. Das Kindeswohl steht dabei immer an erster Stelle. Und das Ziel ist ganz klar umrissen: Die Kinder sollen nicht von ihrer Herkunftsfamilie getrennt werden, sondern eines Tages dorthin zurückkehren können.
Wie wird man Pflegeeltern? Vorab: Das Alter der Bewerber sollte zwischen 25 und 60 Jahre liegen, sie müssen nicht verheiratet sein, auch ledige und gleichgeschlechtliche Partner kommen infrage.
Meistens gibt es einen ersten telefonischen Kontakt, erklärt Andrea Gering, Sozialarbeiterin im Pflegekinderwesen. Paare fragen nach, bieten sich an. Was dann folgt, ist eine lange Prozedur. Empfehlung von Literatur, lange Gespräche mit den Sozialarbeitern, Hausbesuche bei den Bewerbern, Teilnahme an sechs Vorbereitungsseminaren, Gespräche mit Paaren, die bereits als Pflegeeltern tätig sind, nicht zuletzt sind vielfältige Unterlagen und Nachweise zu erbringen, wozu sogar ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und ein amtsärztliches Gesundheitszeugnis gehören. Es ist für den Bewerber auf alle Fälle nicht leicht nachzuweisen, dass er geeignet ist. Er muss sich förmlich „entblättern“. Bevor eine Entscheidung fällt, kann mindestens ein halbes Jahr vergehen, sagt Elke Aurich, Sachgebietsleiterin Sozialpädagogischer Dienst. „Eher noch länger.“ Vor allem muss auch die Chemie stimmen zwischen Pflegeeltern und Pflegekind. Am Ende bleiben häufig nicht viele Bewerber übrig. Denn die Ansprüche, die an sie gestellt werden, sind enorm hoch. Sie sind bereit zu helfen, immer mit dem Wissen, dass sie dieses Kind irgendwann einmal loslassen müssen, weil es wieder nach Hause geht. Auch der Kontakt zur Herkunftsfamilie ist zu pflegen, Verständnis aufzubringen für die dortige Situation. „Pflegeeltern sollten die eigentlichen Eltern nicht verurteilen“, so Sozialarbeiterin Brigitte Laduch. Es sind auch etliche Bewerber, die im Laufe der Vorbereitungen erkennen, dass sie sich das alles einfacher vorgestellt haben und dieser Aufgabe doch nicht gewachsen sind.
Es sind in der Regel Kinder bis zu sechs Jahren, die an Pflegefamilien vermittelt werden, zurzeit vor allem Kinder unter drei Jahren, wie Elke Aurich weiter erklärt. Ganz wichtig: Jugendamt und Eltern auf Zeit sind ständig in Kontakt, die Sozialpädagogen sind sofort zur stelle, wenn sie gebraucht werden.
Beate Dellin würde gerne noch in diesem Jahr ein neues Vorbereitungsseminar zusammenstellen, an dem in der Regel so an die sechs Paare teilnehmen. Vor allem in Wismar und der näheren Umgebung werden Pflegeeltern gesucht, betont die Fachdienstleiterin. Wer sich ernsthaft interessiert, kann sich an Brigitte Laduch ( 0 38 81/72 25 36) oder Andrea Gering ( 0 38 81/72 25 44) wenden.
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.

