Schon vor Schulbeginn wird in der Schülerschaft spekuliert: Fällt heute vielleicht die Schule aus? Hoffnung macht den Mädchen und Jungen nämlich eine Kolonne Handwerker auf dem Schulgelände des Gymnasiums am Mühlenberg in der Ludwig-Jahn-Straße. Die Sanitärräume sind zudem gesperrt. Es gibt kein fließendes Wasser. Kurz nach Beginn der zweiten Schulstunde dann die erlösende Lautsprecherdurchsage: Heute gibt es frostfrei am GaM.
„Wir hatten praktisch keine andere Wahl. Eine Schule ohne Wasser geht nicht“, begründet Oberstudiendirektor Roland Harken den vorzeitigen Schulschluss am Montag. Zumal nicht abzusehen ist, wann wieder das Wasser in den Leitungen fließt. In einem Kriechkeller unterhalb des Haupteingangs ist ein Stück Leitung geborsten. Ein 110-Millimeter-Rohr ist komplett vereist. Mitarbeiter der Städtischen Betriebe beginnen umgehend mit der Reparatur.
Thomas Bentin von der Bauverwaltung: „Wir müssen ungefähr acht Meter Leitung austauschen.“ Damit das Wasserrohr in dem offenen Kellerbereich nicht wieder vereist, wird zudem eine Begleitheizung eingebaut. „Das sind einfache Drähte, vergleichbar mit der Heizung einer Autoheckscheibe“, erklärt Bentin.
Während die Arbeiter fleißig sind, genießen die Schüler die unverhoffte Freizeit. Für die, die nicht nach Hause gehen können, wird am Vormittag eine Betreuung in der Schule sichergestellt. Der Großteil der Mädchen und Jungen sucht aber das Weite. „Nach der Durchsage war es zunächst ganz still, dann brach aber Jubel aus“, erzählt Lena Otte (18) aus dem zwölften Jahrgang. Pia Karolin Homfeld (12) zieht es ebenfalls nach Hause. Die Sechstklässlerin nutzt aber die Wochenendverlängerung auch, um noch ein wenig zu lernen und Klavier zu üben.
In den benachbarten Beruflichen Schulen und im städtischen Kindergarten hat der Rohrbruch ebenfalls Auswirkungen. Doch die 400 Berufschüler hoffen vergeblich auf einen freien Tag. Die sanitären Räume in der Schule sind zwar ebenfalls den ganzen Vormittag gesperrt, aber es gibt eine Ausweichmöglichkeit. „Die Toiletten in der benachbarten Sporthalle funktionieren. Unsere Schüler sind schon so erwachsen, dass sie auch weitere Wege gehen können, um die Toilette zu benutzen“, begründet Schulleiter Axel Nolte seine Entscheidung für einen ganz normalen Schultag an den Beruflichen Schulen. „Die Frostfrei-Entscheidung für das GaM ist aber richtig“, so Nolte.
Auch im städtischen Kindergarten „Wirbelwind“ muss improvisiert werden. „Es sind aber zum Glück nicht alle sanitären Räume von dem Rohrbruch betroffen. In der Küche gibt es auch kein kaltes Wasser, aber das schränkt uns nicht sonderlich ein“, berichtet Leiterin Karin Vogt.
Bei den Städtischen Betrieben häufen sich zudem gestern die Anrufe. Grund: Auch in einigen Häusern sind Wasserleitungen eingefroren. „Wir haben unsere Bereiche kontrolliert. Da gibt es aber keine Schäden“, so Peter Pelka von den Städtischen Betrieben. Bei den eingefrorenen Leitungen handelt es sich um Bereiche, die im Keller der Häuser liegen. „Bei diesen Temperaturen ist es wichtig, dass die Kellerfenster geschlossen sind, damit die Leitungen nicht einfrieren“, so Pelka, der notfalls den Hausbesitzern empfiehlt, mit Heizlüftern zu arbeiten oder die Leitungen in dicke Decken zu hüllen.
Am GaM schreitet die Reparatur indes schnell voran. Gegen 13 Uhr ist der Schaden behoben. „Das Wasser läuft schon wieder fast mit normaler Geschwindigkeit“, so Peter Pelka. Die Ankündigung auf der Schul-Homepage, dass für den heutigen Schultag Ersatztoiletten im Forum aufgestellt werden, dürfte sich damit überholt haben. Am Dienstag findet wieder planmäßiger Unterricht statt.
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