Ratekau – Es sollte eine schöne Projektwoche unter dem Motto „Steinzeit“ werden. Für die Themenwoche an der Cesar-Klein-Gemeinschaftsschule in Ratekau (Kreis Ostholstein) war eigens ein externer „Steinzeit“-Animateur engagiert geworden. Doch inzwischen liegt ein dunkler Schatten über dem Schulprojekt. Vor den Augen von Fünftklässlern war zum Thema „Ernährung in der Steinzeit“ ein grau-weißes Kaninchen mit einem Hammer betäubt worden. Anschließend wurde ihm die Kehle durchtrennt. Das Tier wurde aufgeschnitten und ausgenommen, sein Fell abgezogen. Der Vater einer Schülerin, ein Landwirt, hatte das Kaninchen mitgebracht.
„Es gibt keine Rechtsvorschrift, die das verbietet“, sagt Wolf Vogelreuter, Leitender Kreisveterinär beim Kreis Ostholstein. Voraussetzung sei allerdings, dass das Tier „sachgerecht betäubt und getötet wird“. Vogelreuter sagt aber auch: „Es ist eine ganz andere Sache, wie die Angelegenheit ethisch bewertet wird.“
Auch unter den beteiligten Lehrern gab es offensichtlich Bedenken. Anders ist nicht zu erklären, dass über die spontane Aktion im Lehrer-Team abgestimmt wurde. Von den acht Mitgliedern hätten sechs dafür und zwei dagegen votiert, berichtet Schulleiter Georg Krauß. Die Pädagogen sehen das Schlachten des Kaninchens in einem großen Kontext. „Wir wollten den Bogen spannen vom Tier zu den Mahlzeiten und wollen, dass Schüler Zusammenhänge erkennen.“ So wie beim Bau eines Tipis zuvor Stöcke und anderes Material gesammelt werden muss, müsse auch vor dem Essen von Fleisch ein Tier getötet werden. Die Projektwoche „Steinzeit“ gehörte zum Unterrichtsfach Weltkunde. Ziel sei es gewesen, diese Epoche „mit allen Sinnen“ zu erleben.
Die Kinder hatten das Kaninchen vor dessen Schlachtung noch einmal streicheln dürfen. „Das war so etwas wie Abschiednehmen. Die Kinder sagten ,Tschüs, liebes Kaninchen und danke, dass wir dich essen dürfen‘“, erinnert sich der Landwirt, der das Tier tötete. Viele Kinder brachen dabei in Tränen aus. Am Tag zuvor hatten einige Fünftklässler das Kaninchen noch mit einer Unterschriften-Aktion zu retten versucht: „Der Hase darf nicht geschlachtet werden.“ Der Arfrader Landwirt bewundert die „tolle Lehrerschaft“ der Cesar-Klein-Schule und sagt: „Diesen Mut hat nicht jede Schule.“
Eltern sehen das anders. „Die Idee mag okay sein, die Umsetzung ist pervers“, sagt Stefan Hirt, Landeselternbeiratsvorsitzender für Gemeinschaftsschulen. Das Schlachten von Tieren habe in einer Schule nichts zu suchen. „Wir leben heute nicht mehr in der Steinzeit.“ Bedenken meldet auch die Ratekauer Schulelternbeiratsvorsitzende Beate Peglow an: „Ich bin sehr dafür, wenn Kinder lernen, dass das Essen nicht aus der Tiefkühltruhe und aus den Regalen kommt.“ Allerdings hätten die Eltern der Fünfklässler unbedingt vorher informiert werden müssen.
Die Mutter eines Elfjährigen sagt: „Ich will, dass so etwas an dieser Schule in den nachfolgenden Klassen nie, nie wieder passiert.“ Helles Entsetzen löst die Nachricht beim Deutschen Tierschutzbund aus. „Ich habe schon einiges erlebt. Aber so etwas ist mir noch nie untergekommen“, sagt der Landesvorsitzende Holger Sauerzweig-Strey. Er befürchtet, dass die Kinder unter dem traumatischen Erlebnis leiden. „Diese Schule ist mächtig übers Ziel hinausgeschossen.“
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