Ostholsteins Christdemokraten sind sauer auf ihre Landesspitze. Die Wogen schlugen hoch bei der Jahresversammlung der Eutiner CDU und haben sich noch längst nicht wieder geglättet. Die Mitglieder sind entrüstet über den jüngst beschlossenen Neuschnitt der Wahlkreise – aber noch mehr darüber, wie ihre Parteispitze mit ihnen verfährt.
Ortsverbandsvorsitzender Gerd Freese hatte zu der Versammlung in Eutin auch Landeschef Christian von Boetticher eingeladen. „Er sollte der Basis mal verklickern, wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist.“ Doch von Boetticher kam nicht, postete stattdessen auf Facebook, dass er „sich eine der längsten Mondfinsternisse dieses Jahrhunderts“ ansieht. Freese konterte ebenfalls per Facebook-Eintrag: „Statt mit der Mondfinsternis haben wir uns mehr als eine Stunde mit der Wahlkreisneuschneidung befasst. Schade, dass Sie unsere Einladung nicht einmal beantwortet haben.“ Und auch Kreisvorsitzender Ingo Gädechens ist erbost über den Facebook-Vorfall: „Ich bin auch in Facebook unterwegs, sage meinem Freundeskreis, was ich tue.“ Wenn man sich in der derzeitigen Situation bei einem nicht unbedeutenden Ortsverband entschuldige, könne das gute Gründe haben. Aber wenn dann jemand in der Versammlung entdecke, dass der Landesvorsitzende eine Mondfinsternis ansehe, „dann ist das ein Schlag in die Magengrube aller Mitglieder. Das muss man so empfinden. Ich muss doch meinen Mitgliedern gegenüber glaubhaft bleiben“, so Gädechens.
Der Eutiner Freese, eher ein ruhiger, besonnener Typ, schäumt noch, wenn er daran denkt, wie er wegen seiner Terminanfrage vom parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Axel Bernstein, telefonisch abgefertigt worden sei: Es gebe viel wichtigere Termine, weder von Boetticher noch er könnten in Eutin auflaufen. Bernstein stellte in Aussicht, der Landtagsabgeordnete Peter Sönnichsen aus Plön könne ja nach Eutin kommen. „Der tauchte natürlich nicht auf“, so Freese.
Angesichts der Tatsache, dass Eutin dem Wahlkreis Plön zugeschlagen worden und man hier entsprechend sauer ist, nicht verwunderlich. Über Bernstein, der ihm schon Mitte Mai zur Neuschneidung der Wahlkreise gesagt habe, „das ist das bestmögliche Ergebnis, was rauszuholen ist“, kann sich Freese gar nicht beruhigen: „Von nichts ’ne Ahnung haben, aber den Leuten die Welt erklären wollen.“ Immerhin habe Bernstein zugesagt, der Eutiner CDU demnächst Rede und Antwort stehen zu wollen. „Ich schlage die Vorstandssitzung Ende Juli vor“, sagt Freese.
Die Landtagsabgeordnete Herlich Marie Todsen-Reese aus Malente spürt anhaltende Empörung und Enttäuschung in ihrer Partei. „Da sind Wunden geschlagen worden, die müssen erstmal heilen.“ Um diese Menschen habe man sich jetzt deutlich zu kümmern – „dazu gehört ein Grundverständnis für die Basis!“ Sie wünsche sich einen anständigeren Umgang miteinander. Um die Eutiner CDU zu befrieden, habe sie Christian von Boetticher gesagt, dass sie ein Gespräch für dringend erforderlich halte.
Auf seine Landes-Parteispitze ist auch Ulrich Rüder, der CDU-Fraktionschef im ostholsteinischen Kreistag, gar nicht gut zu sprechen. „Das ist bezeichnend für den Umgang mit uns hier vor Ort“, kommentiert er den Facebook-Vorfall. Für Rüder sind die neuen Wahlkreise alles andere als gut gewählt. „Das, was jetzt beschlossen worden ist, ist nicht nur Flickschusterei. Dahinter kann nur Taktik stecken, das ist abstrus.“ Und auch Gädechens schimpft über die neuen Wahlkreise: „Die Situation ist für uns mehr als unglücklich.“
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