Ramona Zilz-Grönwoldt und ihr Mann Hans-Günther haben sich große Mühe gegeben, ihre rund 50 Quadratmeter große Ferienwohnung in Dahme geschmackvoll einzurichten und dem Gast alles, was er für einen schönen Urlaub braucht, an die Hand zu geben. Nun greift das Ehepaar nach den Sternen – und bekommt sie auch. Nach eingehender Überprüfung und Begutachtung anhand der bundesweit geltenden Richtlinien des Deutschen Tourismusverbandes kommen Jürgen Schlünder und Hans-Peer Blöser auf 524 Punkte und damit auf drei Sterne.
Das Ehepaar ist zufrieden mit dieser Klassifizierung. Ihr Urlaubsquartier klassifizieren zu lassen, war für sie selbstverständlich. „Da weiß der Gast doch gleich, woran er ist“, sagt Ramona Zilz-Grönwoldt, die selbst im Urlaub schon unliebsame Überraschungen erlebt hat. „Schade, dass nicht alle Vermieter so denken wie diese“, sagt Jürgen Schlünder, der seit 2007 mit Hans-Peter Blöser in Dahme die Unterkünfte klassifiziert. Die Furcht, vielleicht nur zwei oder gar „nur“ einen Stern zu bekommen, ist bei vielen groß. Doch die Befürchtungen sind unbegründet. Denn, so Tourismusdirektor Christian Jaletzke aus Timmendorfer Strand: „Für alle Sterne-Segmente gibt es einen Markt.“
Diese Auffassung vertreten ohne Ausnahme alle Touristiker zwischen Fehmarn und Travemünde. Die Klassifizierung, sagt der Grömitzer Marketingleiter Olaf Dose-Miekley, sei ein wichtiger Vermarktungsbaustein: „Je transparenter und vergleichbarer die Leistung, desto besser wird gebucht. Es gibt für alle Kategorien den Gast. Deshalb lieber eine klare Aussage als keine.“
Weil die Vorteile einer Klassifizierung sowohl für den Gast als auch für den Vermieter klar auf der Hand liegen, wird die Ostsee rauf und runter eine große Qualitätsoffensive gefahren und für die Sterneverteilung geworben. Zwar kommen immer wieder, wie das Dahmer Beispiel zeigt, neue Ferienwohnungen oder -häuser hinzu, die mit ihren Sternen Flagge zeigen, aber „insgesamt lässt die Bereitschaft, sich der Bewertung zu stellen, vor allem bei den Privatvermietern noch zu wünschen übrig“, bedauert Christian Jaletzke, obwohl Timmendorfer Strand und Niendorf mit insgesamt etwa 36 Prozent klassifizierter Unterkünfte eine „sehr gute Quote“ aufzuweisen haben.
Auch in Heiligenhafen, wo der Tourismus-Service voller Stolz auf aktuell 872 klassifizierte Unterkünfte blickt – womit er an der Spitze an der Ostsee und auf einem zweiten Platz nach dem Nordseeheilbad Büsum in Schleswig-Holstein liegt – gehen die Bemühungen weiter. Denn immerhin gibt es 2500 Ferienwohnungen in Heiligenhafen. Touristikleiter Oliver Behncke aber ist optimistisch und hofft, noch in diesem Jahr die „Schallmauer“ von 900 besichtigten Wohnungen zu durchbrechen. „Denn „immer mehr Unterkunftsgeber haben erkannt, dass die Gäste Qualitätsstandards und Serviceleistungen erwarten, die im Ausland selbstverständlich sind“, betont Behncke.
Auch im Ostseeferienland mit den drei Bädern Grömitz, Kellenhusen und Dahme wird man nicht müde, für die Sterne zu werben. In Grömitz, das 47 Prozent aller Unterkünfte im Privatsegment anbietet, sowie in Kellenhusen sind insgesamt 330 Unterkünfte klassifiziert, in Dahme sind es 110. „Das könnten und sollten mehr sein im Ostseeferienland“, sagt auch Kellenhusens Touristikleiter Martin Riedel. Leider lassen sich viele Vermieter, vor allem wenn sie nur zwei Sterne erreicht haben, nach drei Jahren nicht wieder nachklassifizieren, bedauert Jürgen Schlünder, der sich manchmal etwas klarere Bewertungskriterien wünschen würde. „Manches ist etwas schwammig und abhängig von der eigenen Sicht“, bedauert er.
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