Auf Kinderspielzeug, das nie wieder benutzt werden wird. Es ist kurz vor 23 Uhr am 5. Dezember 2007, als die Leichenwagen in die kleine Sackgasse in Darry, einem Dorf bei Lütjenburg, einbiegen. Sie sind da, um Jonas, Justin, Ronan, Liam und Aidan zu holen. Die fünf Jungen im Alter zwischen drei und neun Jahren sind tot. Ihre Mutter Steffi K. hatte sie erst betäubt und dann mit Plastiktüten erstickt.
Die damals 31 Jahre alte Frau war psychisch schwer krank, als es zu der Tat kam. Einer Tat, die das Leben von fünf unschuldigen Kindern auslöschte und die so unfassbar und so schockierend war, dass sie Folgen für ganz Schleswig-Holstein hatte. Die Tragödie war nach den anderen schrecklichen Fällen von Kinderverwahrlosung und -tötung in Hamburg, Bremen und Schwerin der Auslöser für die Neufassung des Kinderschutzgesetzes in Schleswig-Holstein. Ziel war es zu verhindern, dass Kindern je wieder ein Leid zugefügt wird.
„Um dieses Ziel zu erreichen, sind nach Inkrafttreten des Gesetzes im Oktober 2009 in Ostholstein vier Familienzentren eingerichtet worden“, erklärt Martin Liegmann, stellvertretender Geschäftsführer des Kreisverbandes Ostholstein im Deutschen Kinderschutzbund in Neustadt. Der Kinderschutzbund gehört gemeinsam mit dem Ortsverband Heiligenhafen, der Lebenshilfe Ostholstein in Bad Schwartau und der Familienbildungsstätte Eutin zu den Trägern der Familienzentren. Mit ihrem Projekt „Frühe Hilfen“ wollen die Mitarbeiter der Familienzentren vorbeugen und eingreifen, bevor etwas Schlimmeres passiert. Ein Team von Familienhelferinnen, Heilpädagogen, Psychologen, Hebammen und Ehrenamtlern arbeitet unermüdlich und mit großem Engagement, um die Misshandlung, Vernachlässigung und Verwahrlosung von Kindern zu verhindern. Die Mitarbeiter haben schon viel Trauriges gesehen. Kinder, die von überlasteten Eltern den halben Tag vor den Fernseher gesetzt werden. Oder alkoholkranke Mütter oder Väter, die ihre Kinder misshandeln. „Wir versuchen, so früh wie möglich mit unserer Hilfe anzusetzen, um zu verhindern, dass es zu so etwas kommt“, sagt Martin Liegmann. Viele Fälle von Vernachlässigung oder gar Misshandlung würden sich schon früh abzeichnen und könnten verhindert werden, wenn die Probleme in Familien rechtzeitig erkannt würden und es Hilfen gebe. „Frühe Hilfen“ eben.
Deshalb setzen die Familienzentren vor allem auf präventive Angebote. Es gibt Familienhebammen und Familienhelferinnen, die zu den Eltern, die Probleme haben, nach Hause gehen, um zu helfen und nach dem Rechten zu schauen. Zum Angebot gehört auch ein Babytreff, bei dem sich Schwangere und Eltern von Kleinkindern austauschen können, Elternkurse, in denen Erziehungsfragen besprochen werden und vieles mehr.
Sorgen machen sich die Mitarbeiter der Familienzentren, weil das Geld nicht reicht. „Jedes Familienzentrum bekommt jährlich etwa 17 000 Euro vom Kreis“, sagt Liegmann, davon sind jeweils 4000 Euro für die Familienhilfe vorgesehen. Doch drei Monate Einsatz bei einer Familie kosten rund 500 Euro. Demnach könnte jedes Familienzentrum rein rechnerisch nur acht Familien im Jahr betreuen. „Der Bedarf ist aber mindestens viermal so hoch“, sagt Liegmann. Deshalb sei man dringend auf Spenden angewiesen und hoffe jetzt auf die Aktion „Hilfe im Advent“. Mit den Spenden der LN-Leser sollen die „Frühen Hilfen“ in Ostholstein ausgebaut werden. Damit Vernachlässigungen und Misshandlungen von Kindern bei uns keine Chance haben.
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