Bürgerarbeit statt Ein-Euro-Jobs und spezielle Förderung für Frauen, Jugendliche und über 50-Jährige sind die Schwerpunkte, sagte Jobcenter-Geschäftsführer Karsten Marzian bei der Vorstellung der Arbeitsmarktpolitik 2012. Dafür stehen 13,3 Millionen Euro zur Verfügung, mehr als in den Vorjahren, als es zwischen 11,8 und 12,6 Millionen Euro waren. Marzian: „Wir können dieses Jahr rund 9000 Männer und Frauen fördern. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit in Ostholstein.“
Eines der bekanntesten Instrumente zur Arbeitsmarktförderung sind die Ein-Euro-Jobs. Deren Anzahl schwindet auch in Ostholstein stetig, von 900 vor zwei Jahren auf 600 im vergangenen Jahr und 300 in diesem Jahr. „Die Mittel werden umgeschichtet in Bereiche, in denen wir noch erfolgreicher sein können“, sagt Karl-Hermann Paulsen, Bereichsleiter „Markt und Integration“ des Jobcenters. Wer aus den Ein-Euro-Jobs herausfalle, bekomme andere Angebote, etwa Weiterbildung. Das Ziel lautet: „Stärken stärken, Schwächen schwächen.“ Am liebsten für die Branchen Gesundheit und Altenpflege, Tourismus mit Gastronomie und Handel sowie Bau und Logistik, mit Blick auf die feste Fehmarnbeltquerung. Denn das sind die Branchen, die in Ostholstein die meisten Arbeitskräfte brauchen.
Abgelöst werden die Ein-Euro- Jobs zudem von der Bürgerarbeit. Der Unterschied zum Ein-Euro-Job ist, dass die Teilnehmer nicht pro Stunde bezahlt werden, sondern für 900 Euro brutto sozialversicherungspflichtig arbeiten, und zwar für zunächst ein Jahr mit Verlängerungsoption und in gemeinnützigen Projekten im öffentlichen Interesse. Partner dafür sind unter anderem die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Ostholstein (BQOH) und die Digea, die gemeinnützige diakonische Dienstleistungsgesellschaft. Die war kürzlich in die Schlagzeilen geraten, weil Arbeitslose einer Maßnahme in Pansdorf am PC gespielt und Pornoseiten aufgerufen hatten. Marzian hatte angekündigt, umgehend dagegen vorzugehen. Als Konsequenz daraus lassen jetzt alle Maßnahmenträger die Arbeitslosen Verpflichtungen unterschreiben, in denen sie erklären, dass sie ihre Zeit nicht im Internet „verdaddeln“. Außerdem werden in die Rechner Filter eingebaut, die Aufsicht ist verstärkt worden. Ob, wie behauptet, tatsächlich so viel auf Porno- oder Spielseiten gesurft wurde, lässt sich laut Marzian nicht mehr nachprüfen, da wegen des Datenschutzes keine Verlaufsprotokolle gespeichert werden. Im übrigen habe er von Teilnehmern auch Lob für die Maßnahme geerntet, sagte Marzian. Er verwies zudem darauf, dass es bei der Digea in Pansdorf ähnlich gute Vermittlungszahlen in den ersten Arbeitsmarkt gebe wie bei allen Ein-Euro-Jobs in Ostholstein: „Wir haben eine Eingliederungsquote von 16 Prozent, das liegt über dem Durchschnitt.“
Übrigens: Führerschein und Auto bezahlt das Jobcenter nur, wenn eine schriftliche Jobzusage vorliegt und der künftige Stelleninhaber ohne Auto nicht an seinen Arbeitsplatz gelangt.
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