Der erste Anlauf hat nicht geklappt. Das war im Herbst 2010, als die Stockelsdorfer Gemeindevertreter den Beschluss zur Sanierung des Herrengartenparks, insbesondere des Teichs, verabschiedet hatten. 20 Jahre ist es her, dass der Teich zuletzt entschlammt wurde. Die für die Sanierung notwendigen 250 000 Euro hatte man bereit gestellt und auch sonst hatte man an alles gedacht. Nur nicht daran, dass die Untere Naturschutzbehörde einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Weil vielleicht seltene oder geschützte Tiere im Herrengarten leben könnten, auf die man Rücksicht nehmen müsste. Das musste geklärt werden, bevor die erste Kettensäge einen der Bäume fällt, die den Park zuwuchern und Jahr für Jahr Laub in den Herrengartenteich abwerfen. Das Laub der Bäume sei nämlich die Hauptursache dafür, dass aus dem Teich im Laufe der Jahre ein regelrechtes Schlammbad geworden ist, erklärt der für den Park zuständige Landschaftsplaner Heinrich Stalljann. „Der Teich ist biologisch tot, da lebt nichts mehr drin.“
Doch die Untersuchung zog sich hin, erst jetzt ist der Herrengartenpark wieder Thema in den politischen Gremien. Bei der jüngsten Sitzung für Umwelt, Bauen, Planung und öffentliche Sicherheit fragt denn auch Erhardt Neu von der CDU, warum das so lange gedauert hat. „Weil die Untere Naturschutzbehörde ein Jahr lang alles beobachtet hat, eine gesamte Vegetationsperiode lang“, erklärt Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann. Dann habe die Behörde mit Hochdruck die Auswertung vorgenommen und jetzt liegen die Ergebnisse vor, die bei der Sanierung berücksichtigt werden müssen.
Von der Naturschutzbehörde gibt es nun die ganz klare Ansage, dass nur Bäume mit einem Durchmesser von weniger als 50 Zentimetern gefällt werden dürfen. Der ursprüngliche Sanierungsplan hatte etwas anderes vorgesehen, denn neben der Entschlammung des Teichs war es ein vorrangiges Ziel, die Laubmenge künftig deutlich zu minimieren. So sollte eine erneute Verschlammung verzögert werden. Und deshalb sollte auch der eine oder andere Baum mächtigen Umfangs am Ufer dran glauben. Doch daraus wird nichts.
Stehenbleiben müssen alle dicken Bäume deshalb, weil die Untere Naturschutzbehörde im Park verschiedene Vogelarten und Fledermäuse gesichtet hat. Im Park gibt es insgesamt rund 60 Bäume, die Hälfte davon unterliegt jetzt dem behördlichen Abholzungsverbot.
Und noch etwas hat die Naturschutzbehörde den Stockelsdorfern mit auf den Weg gegeben: „Es müssen am Teich auch Enten-Ausstiege geschaffen werden“, erklärt die Bürgermeisterin.
Ein wenig Verärgerung ob der langen Verzögerung der dringend notwendigen Entschlammung ist den meisten Ausschussmitgliedern anzumerken. „Die Betreiber des Herrenhauses wären froh gewesen, wenn die Behörde sich auch die kleinen, grauen Tiere mit den langen Schwänzen angeguckt hätte, die da immer rumlaufen“, so die Ausschussvorsitzende Karin Sorgenfrei (SPD).
„Na, hoffentlich fliegen da im Herrengarten nicht auch ein paar als Fledermäuse getarnte Ratten mit Regenschirm rum“, scherzt Axel Clasen (SPD). „Und wenn wir so viele Enten haben, dass die einen Ausstieg brauchen, dann können die doch gleich in die Pfanne wandern.“
Mit der Sanierung jedenfalls geht es los – und zwar schon bald. Denn die Ausschussmitglieder haben die Verwaltung beauftragt, die Aufträge für die Arbeiten zeitnah zu vergeben. Ende März soll alles erledigt sein, sagt Planer Heinrich Stalljann. Die Abholzung der „schlanken“ Bäume soll in den nächsten Tagen beginnen. Vier Wochen dauert allein die Entschlammung. Während dieser Zeit wird der Park gesperrt sein. Für die Fledermäuse, aber auch für die Ratten könnte es dann ein bisschen unruhig werden.
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