Es sind nicht die Lottozahlen, die Revierförster Karsten Tybussek mit seinem Team in den letzten Wochen in greller Farbe an die Stämme gesprüht hat. Doch für die rund 70 Frauen und Männer im Kuhholz haben diese Zahlen einen großen Reiz. Gespannt warten sie gestern Nachmittag auf ihre Nummer – die Lizenz zum Bäume fällen und Brennholz machen. „Natürlich freue ich mich darauf, dass es losgeht“, sagt Thomas Jochens. Gemeinsam mit seinen Bekannten Bernd Schröter und Thomas Gerlach (beide 50) will der Berufschullehrer in den nächsten fünf Wochen 15 Festmeter Holz aus dem Wäldchen an der Nikolausstraße holen. „Ich bin schon seit acht Jahren Selbstwerber. Zuhause heize ich ausschließlich mit selbstgeschlagenem Brennholz“, verrät er. „Das spart nicht nur Geld, sondern ist für mich auch eine sportliche Betätigung und Freizeitspaß.“
Doch einfach nur ein Spaß ist das nicht. Vor allen Dingen nicht für Förster Tybussek, der in diesen Tagen fast 400 Selbstwerber in die von ihm betreuten Wälder in Bad Schwartau, Scharbeutz und Timmendorfer Strand (insgesamt 1560 Hektar) schickt. Bevor die Selbstwerber ihre Nummer bekommen, redet Tybussek Tacheles. „Bäumefällen ist eine gefährliche Arbeit, unterschätzen Sie dies nicht“, mahnt der 51-Jährige eindringlich und mit autoritärer Stimme. Um sogleich auf einige besondere Regeln hinzuweisen. Gefällt werden dürfen nur Bäume, die auch gekennzeichnet sind. Bei der Waldarbeit ist die entsprechende Schutzkleidung zu tragen und auch der erforderliche zweite Mann zur Absicherung der Wege muss einen Helm tragen. Und im viel von Spaziergängern und Joggern genutzten Kuhholz müsse besonders umsichtig gearbeitet werden. „Im Gegensatz zu den anderen Gebieten darf hier auch nicht am Sonntag mit der Kettensäge gearbeitet werden. Hier ist Sonntag Ruhetag, damit die Anwohner nicht ständig gestört werden“, erklärt Tybussek und weist zudem daraufhin, dass nur die Waldwege befahren werden dürfen.
Für Jochens und seine Baumfäll-Kollegen sind diese Ansagen zwar bekannt, aber auch Gesetz. „Wer sich daran nicht hält, ist ganz schnell raus. Da kennt der Tybussek wirklich keinen Spaß“, weiß Jochens, der seine Selbstwerber-Lizenz auch nicht aufs Spiel setzen wird. Schließlich will er ja auch im nächsten Winter ein warmes Zuhause haben.
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