Die Mutterschafe von Wolfgang Borchardt sehen allesamt gesund und tragend aus. Aber was für Lämmer werden sie bekommen? Ganz normale oder verkrüppelte und nicht lebensfähige? Das weiß der Schäfermeister nicht, er wird es erst sehen, wenn die Lämmer geboren werden. „Ich kann nicht sicher sein, ob sie gesund sind.“ So wie Borchardt bangen derzeit rund 450 Schafhalter in Ostholstein, ob ihre Tiere vom Schmallenberg-Virus befallen sein könnten. Nach Angaben des Kreisveterinäramtes gibt es im Kreis etwa 8500 Schafe.
Schäfermeister Borchardt besucht seine 15 Mutterschafe auf einer idyllischen Weide gleich hinterm Dorf. Die „Damen“ kommen freudig auf ihn zu – schon deshalb, weil er einen Eimer mit Futter in der Hand hält. Die Tiere sind zutraulich, sehen gesund aus, und Borchardt glaubt nicht, dass die Lämmer seiner Schafe, die er erst im April erwartet, erkrankt sein werden. Feststellen lässt sich das bis zur Geburt nur mit großem Aufwand. Eine Art Bluttest oder etwas ähnliches gibt es nicht, nur eine Ultraschalluntersuchung würde Klarheit bringen, erzählt Borchardt. Die ist bei Schafen zwar möglich, aber kostet Geld und wäre aufwendig.
Das Schmallenberg-Virus wird durch Mücken übertragen. Als Borchardts Mutterschafe im Herbst gedeckt wurden, waren die Mücken schon nicht mehr unterwegs. Borchardt lässt den Bock immer erst spät zu den Schafen, weil seine Lämmer später geboren werden sollen. 150 Tage beträgt die Tragezeit bei Schafen. Die Böcke haben jetzt, im Januar, ihre Schuldigkeit längst getan und sind von den Mutterschafen getrennt worden. Borchardts Bockgruppe grast an der Eutiner Opernscheune.
Das Schmallenberg-Virus befällt die Tiere nach der Übertragung durch Gnitzen (gehören zu den Mücken), löst bei den Schafen aber nur eine kurze, harmlose Krankheit aus. Sind tragende Mutterschafe erkrankt, schädigt der Erreger allerdings den Fötus schwer. „Wenn man die toten und verkrüppelten Tiere sieht, fragt man sich, was wir verbrochen haben, dass es uns wieder erwischt“, sagt Borchardt und verweist darauf, dass die Schafhalter gerade erst mit der unter den Tieren grassierenden Blauzungenkrankheit zu kämpfen hatten. Jede Meldung dieser Art schlägt sich auf den Absatz nieder. Borchardt: „Der Verbraucher reagiert extrem sensibel.“ Bei einem ohnehin schmalen Ertrag von acht Euro pro Schlachtlamm würde ihn ein zehnprozentiger Ausfall hart treffen.
Borchardt hofft aber, dass alles gut geht. Einfluss nehmen kann er nicht. „Wir können nichts anderes tun als hoffen, abwarten und aufmerksam sein.“ Wenn die Geburt ansteht, müsse der Schafhalter bei Problemen schneller eingreifen und im Notfall sofort den Tierarzt rufen.
Borchardt züchtet Coburger Fuchsschafe, eine robuste, alte Landschaf-Rasse, die normalerweise keine Geburtshilfe braucht. Der Bockholter Züchter hat zurzeit 15 Mutterschafe, zehn Lämmer vom vergangenen Jahr und zehn Böcke. Und hoffentlich im April viele gesunde Lämmer. Deren fuchsfarbene bis goldene Wolle trägt übrigens den Beinamen „Das Goldene Vlies“. Und so heißen auch die Wollprodukte, die der Fuchsschaf-Züchter vertreibt.
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