Der Panther, ein imposanter männlicher Leopard, der aufgrund einer bestimmten Genkonstellation schwarz gefärbt ist, zählt zu den größten Attraktionen, die Familie Wilhelm, die den Zoo betreibt, zu bieten hat. Wenn man in den Käfig blickt und die grazilen Bewegungen dieser Großkatze beobachtet, dann werden die melancholischen Worte veranschaulicht, die Rainer Maria Rilke vor 110 Jahren nach einem Besuch im Pariser Zoo als Gedicht zu Papier brachte. Auch wenn der Grömitzer Großkatze der Gegenwart anders als dem Pariser Panther von anno dazumal ein luxuriöses 400-Quadratmeter-Gehege zur Verfügung steht. Vorbei am Affengehege. Hinten links, schräg neben dem Erlebnisspielplatz, da ist sie. Die Katze. Lateinisch: Panthera pardus. Stille im Schnee. Nur die Atmung der ursprünglich afrikanischen Schönheit, die dem Klang einer Metallsäge ähnelt, ist zu hören. Die grünen Augen fixieren Ingo Wilhelm. Ihm schenkt der namenlose Vierbeiner Aufmerksamkeit, die er Besuchern nie schenken würde. Mythos Leopard, arrogant, unnahbar.
Doch nun ist Posen angesagt. Mal liegt der gepunktete Herr auf dem Rücken, mal zeigt er seine hübsche Flanke. Dann präsentiert er sich frontal, Auge in Auge. Catwalk hinter Gittern. „Es handelt sich um ein betagtes Männchen. In freier Wildbahn würde seine Lebenserwartung zehn bis zwölf Jahre betragen. Dieser Kamerad hier ist aber schon 20 und dafür noch gut in Schuss. Er kam aus dem Tierpark Nadermann in Delbrück zu uns, damals mit einem Weibchen, das verstorben ist. Sein stolzes Alter ist darauf zurückzuführen, dass er eben nicht täglich in der afrikanischen Savanne seine Nahrung erjagen und sein Territorium verteidigen muss.“ Gefangenschaft auf Lebenszeit kann auch Vorteile haben.
Wilhelm ist Fachmann in Sachen Raubkatzen. Gemeinsam mit seiner Frau Birgit hat der 53-Jährige nicht nur die fünf Töchter, sondern auch Löwen-, Liger- (berühmte Grömitzer Hybride aus Löwen-Männchen und Tiger-Weibchen) sowie ein Leoparden-Baby mit der Flasche großgezogen. Daheim, als Familienmitglied auf Zeit. Birgit Wilhelm erzählt rückblickend: „Nur dass die Raubkatzen noch pflegebedürftiger sind als Kleinkinder. Es gelten die gleichen hygienischen Regeln, aber die Katzen wollen alle zwei Stunden versorgt werden, auch nachts natürlich.“ Ein Hauch von Kenia in Ostholstein.
Mit der Romantik war es speziell bei der jungen Leopardin im Hause Wilhelm schnell vorbei. „Sie war bereits nach wenigen Wochen rein vom Instinkt her eine Killerin. Sie hat zwar noch gespielt, aber doch gezielt unseren Töchtern aufgelauert und sie von hinten angesprungen. Irgendwann wurde es lästig.“ Diese Zeiten sind vorbei, vorerst. Doch sollte eines Tages der schwarz-gepunktete Herr nicht mehr sein, wollen sich die Wilhelms um Panther-Nachwuchs bemühen. Vielleicht tapsige Babys? Ingo Wilhelm will dies nicht ausschließen, sagt augenzwinkernd: „Das wäre in der Tat nochmals eine schöne Aufgabe.“
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