„Mayday, Mayday, Mayday. Es gab eine Explosion. Mehrere Crewmitglieder sind verletzt, einige werden vermisst. Mayday, Mayday, Mayday.“ Es ist 8.34 Uhr, als der Kapitän der „Goole“ den Hilferuf funkt. Der Smutje des Handelsschiffes hat versucht eine brennende Fettpfanne mit Wasser zu löschen. Die Folge: Eine Explosion. Drei Personen sind verletzt.
Binnen Minuten spitzt sich die Situation zu. Ein Crewmitglied rutscht aus, fällt über die Reling in die minus ein Grad kalte Ostsee. Zehn Zentimeter dicke Eisschollen reißen den Mann mit sich. Zudem werden mittlerweile zwei Menschen vermisst. Sie sind aufgrund des starken Rauches eingeschlossen. Zwei weitere Männer kämpfen mit den Folgen einer Rauchvergiftung. Jetzt geht es um Leben und Tod in der Neustädter Bucht.
Zum Glück ist alles nur eine Übung der Marine, der Hamburger Feuerwehr und des Nato-Einsatzverbandes „Standing Nato MCM Group 1“. Das Handelsschiff gibt es lediglich in dem Übungsszenario. In Wirklichkeit handelt es sich um die „Baltrum“ – das Taucherschulboot der Marine Neustadt. Die Person, die nur noch „tot“ aus der kalten Ostsee geborgen wird, ist eine Puppe und die Verletzten sind geschminkt. „Wir üben die Zusammenarbeit von militärischen und zivilen Kräften. Wir wollen sehen, wo die Stolpersteine sind und was die Crew besser machen kann“, erklärt Rüdiger Grimm, Kapitänleutnant des Einsatzausbildungszentrums Schadensabwehr der Marine – dort trainieren die zirka 100 Besatzungsangehörigen der drei an der Übung beteiligten Schiffe seit dem 27. Januar. Angesichts der an diesem Tag vorherrschenden Minusgrade stelle diese Übung alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen.
Einer der Höhepunkte des Feuerdramas auf hoher See ist der Einsatz eines Rettungshubschraubers. Dieser wird angefordert, als klar ist, dass die 14 Crewmitglieder der „Goole“ die Situation nicht mehr unter Kontrolle haben. Der Hubschrauber bringt Feuerwehrmänner an Bord. Zudem schicken die „zufällig“ in der Nähe des Unglücksortes fahrenden Nato-Schiffe Hilfskräfte an Bord, darunter eine norwegische und eine holländische Besatzung. Das Problem ist jedoch: Die Nato-Soldaten kennen das Schiff nicht. Sie müssen zunächst ein Lagebild erstellen, den Verletzten helfen, das Feuer löschen und weitere Hilfe anfordern.
Erst um 10.53 Uhr – zwei Stunden und 19 Minuten nach dem Mayday-Ruf – meldet der Kapitän „Feuer aus, Verletzte geborgen“. „Die Brandbekämpfung auf einem Schiff, das sich auf See befindet, ist die schwierigste überhaupt“, erklärt Manfred Stahl, Sprecher der Hamburger Feuerwehr. Er muss es wissen, schließlich waren viele seiner Kameraden auch im Einsatz, als 2010 vor Fehmarn die Fähre „Lisco Gloria“ komplett ausbrannte.
Gegen 12 Uhr zieht Fregattenkapitän und Einsatzleiter Hagen Diedrich eine Bilanz: „Es war sinnvoll, diese Übung zu machen. Die Crew der drei Nato-Schiffe arbeitet erst seit Januar gemeinsam, sie wächst noch zusammen. Das meiste hat sehr gut geklappt.“ Dennoch gibt es Dinge, die besser werden müssen. „Es wäre wünschenswert gewesen, wenn anfangs mehr Feuerwehrleute an Bord gebracht worden wären“, sagt Diedrich. Zudem schien es einige Male so, als hätte der eine oder andere Probleme, auf Anhieb die passenden englischen Worte zu finden.
Am Nachmittag folgte im Neustädter Hafen eine zweite Übungseinheit. Das Szenario: Während der Betankung eines Schiffes kommt es zu einer Explosion. Anschließend muss die Crew erneut mit der Feuerwehr zusammenarbeiten, Verletzte bergen und das Feuer bekämpfen.
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