Hans-Joachim Bausch kommt richtig in Fahrt, wenn er an den Fall in Majenfelde denkt. Der 54-jährige Polizeihauptkommissar, der im Eutiner Polizeibezirksrevier für die gemeinsamen Geschwindigkeitskontrollen von Polizei und Kreis Ostholstein mitverantwortlich zeichnet, erinnert sich nur allzu gut an den Fahrer eines Wagens, der mitten im Ort statt der erlaubten 50 km/h mit satten 143 km/h unterwegs war. Da er in eine Radarfalle geriet, wurde dieses Vergehen amtlich. Der Mann zahlte ein Bußgeld von 680 Euro, bekam drei Monate Fahrverbot und hat jetzt vier Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg. „Wenn man bedenkt, dass der auch an einer Schulbushaltestelle vorbeigerast ist und zuvor schon auf 70 km/h hätte abbremsen müssen, hätte das eigentlich noch viel mehr Strafe bringen müssen“, sagt Bausch. Gemeinsam mit Claudia Leibrandt, der Fachdienstleiterin Straßenverkehr beim Kreis Ostholstein, hat er die „Jahresstatistik 2011“ entwickelt. Das Fazit von Bausch: „Jede Überschreitung ist eine zu viel.“
Kreis und Polizei haben im vergangenen Jahr 600 000 Fahrzeuge kontrolliert. 34 000 von ihnen – das sind dann 5,7 Prozent – fuhren zu schnell. Im Vorjahr waren es nach Angaben von Leibrandt „nur“ 412 000 kontrollierte und 18 000 beanstandete Fahrzeuge, somit 4,3 Prozent. In 2010 wurde aber wegen des sehr langen Winters im Januar und Februar kaum gemessen. Claudia Leibrandt: „Somit fehlen uns in der Statistik zwei ganze Monate.“ Auch ihr ist ein ganz besonders dreister Raser in Erinnerung: „In Benz fuhr jemand in der 30 km/h-Zone 95 Stundenkilometer.“
Im Kreis Ostholstein sind täglich in zwei Schichten vier Kreisbedienstete und vier Polizisten in einem Messbus samt Anlage unterwegs. Claudia Leibrandt: „Manchmal setzen wir zusätzlich noch eine kleinere, handliche Messanlage ein.“ Vormittags wird die Station vor allem an Schulen, Kindergärten und Altersheimen aufgebaut. „Damit zeigen wir Flagge“, betont die Fachdienstleiterin und weiter: „Es ist schon erschreckend zu sehen, dass sich selbst Eltern von kleinen Kindern nicht an die Geschwindigkeitsvorschriften halten.“ Zu den übrigen Tageszeiten sind dann abwechselnd die anderen der insgesamt 200 Messstellen im Kreis an der Reihe. Radarfallen werden sowohl an Bundes- als auch an Landes- und Kreisstraßen aufgestellt. „Wir erfüllen manchmal Wünsche der Gemeinden, aber auch Anforderungen aus der Bevölkerung.“ Immer wieder komme es vor, dass sich Bürger meldeten und von einer Vielzahl von Geschwindigkeitsübertretungen in ihrem Wohnbereich berichteten.
Die meisten Raser gab es 2011 in Ostholstein wie alljährlich in den Sommermonaten, wenn zu den Einheimischen die vielen Urlauber kommen. So waren es im vergangenen August 6,9 Prozent und im September 6,7 Prozent.
Diejenigen, die durch den Kreis gerast sind und dabei erwischt wurden, trugen zum Füllen der Kreiskasse bei. So wurden nach Auskunft von Claudia Leibrandt im vergangenen Jahr Bußgelder in Höhe von 540 000 Euro kassiert. Im Vorjahr waren es 290 000 Euro. Das Geld fließe zunächst einmal in den Kreishaushalt, werde dann aber auch für verkehrssichernde Maßnahmen ausgegeben. Ein Beispiel dafür sind Zuschüsse für die „Busschule“, mit der die Kreisverkehrswacht unterwegs ist.
Die Kooperation zwischen Polizei und Kreis Ostholstein gibt es schon seit 1996. Seit 1997 ist Hans-Joachim Bausch dabei. Er kennt daher auch viele Schreiben mit Widersprüchen und Eingaben von Verkehrsteilnehmern. „Es gibt wirklich die blödesten Ausreden“, sagt er. In vielen Fällen werde nicht dem Fahrer, sondern der Polizei-Technik die Schuld am zu schnellen Fahren gegeben. „Manchmal kommen Briefe von Rechtsanwälten, die für ihre Mandanten aus Bedienungsanleitungen von Überwachungsgeräten zitieren, die wir schon seit vielen Jahren nicht mehr nutzen.“
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