36 Meter hoch war die Buche, die Unbekannte im Waldstück Kasseedorfer Tannen gefällt haben. Etwa 180 Jahre habe der Baum gebraucht, um so groß zu werden, schätzt Forstrat Andreas Mylius – innerhalb von Minuten wurde er nun zerstört.
Es ist das dritte Mal seit Anfang Februar, dass Holz-Diebe ihr Unwesen in dem Laubwald treiben: Laut Polizei wurden vor der illegalen Baumfäll-Aktion bereits insgesamt 12,5 Raummeter geschlagenes Brennholz gestohlen, das im Wald gestapelt worden war. Es sei gut möglich, dass ein Zusammenhang zwischen den drei Fällen bestehe, so Polizeisprecher Torsten Baar.
Im aktuellen Fall konnten die Täter ihr Werk nicht zu Ende führen: Sie wurden gegen 15 Uhr von einem Mann überrascht, der das für ihn reservierte Brennholz abholen wollte. Als die Baumfäller ihn bemerkten, flüchteten sie zunächst zu Fuß in Richtung Sibbersdorf und fuhren dann mit einem hellen Iveco-Transporter davon. Nach Angaben der Polizei war das Fahrzeug alt und rostig und hatte ein polnisches Kennzeichen. Der Zeuge war, wie sich später herausstellte, selbst einer der Geschädigten: Sein Brennholz war weg.
Der Holz-Klau im Wald habe seit einiger Zeit Hochkonjunktur, berichtet Forstrat Mylius. Seit die Energiepreise gestiegen seien, schlügen immer häufiger Diebe zu. „Man darf das geschlagene Holz gar nicht mehr liegenlassen“, berichtet Mylius, „das ist sofort weg.“
„Es wird mehr“, bestätigt Förster Thomas Tiede. Viele seiner Kollegen aus den Landesforsten hätten ihm schon von Diebstählen im großen Stil berichtet. Seine eigenen Wälder in Dahme und Kellenhusen seien davon bisher verschont geblieben – dort gebe es nur „Mini-Diebe“, die kleine Mengen Holz für den eigenen Ofen stehlen würden. Tiede hat jedoch Sorge, dass sich das bald ändern könnte: „Wir arbeiten zurzeit viel in Bereichen, die von der Straße aus einsehbar sind – ich befürchte, das könnte professionelle Diebe anlocken.“ Auch Forstrat Mylius geht davon aus, „dass die Diebstähle noch weiter zunehmen“. Die gefällte Buche soll nun zu Brennholz verarbeitet werden. Noch liegt ihr riesiger Stamm im Wald, wo ihn die Diebe zurückgelassen haben. Die Fällarbeiten seien alles andere als professionell durchgeführt worden, sagt Mylius, als er das Werk der Unbekannten in Augenschein nimmt: Sie hätten das falsche Werkzeug benutzt – eine zu kleine Motorsäge für den 1,30 Meter dicken Stamm – und der Baum sei offenbar nicht in die gewünschte Richtung gekippt. Mylius: „Eigentlich sollte die Buche nie gefällt werden – sie war gut für den Mittelspecht.“ Der muss sich nun einen neuen Baum suchen.
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