Autofahrer auf der Scharbeutzer Strandallee unterhalb der Lindenstraße werden sich noch länger in Geduld üben müssen. Da die Erdmassen des am 5. Januar abgerutschten Hanges immer noch auf der Straße liegen, muss sie weiterhin halbseitig gesperrt bleiben. Wann die Bedarfsampel abgebaut und die Strecke wieder freigegeben werden kann, steht nach Angaben von Revierförster Karsten Tybussek noch nicht fest.
Gutachterlich geklärt ist aber inzwischen die Frage nach der Ursache des Hangrutsches. Tybussek: „Ich habe es natürlich immer geahnt, da man nur eins und eins zusammenzählen muss. Richtig gewusst hatte ich es aber nicht.“
Nachdem bislang Unbekannte im Januar zum wiederholten Male illegal Bäume am Kammerwaldhang gefällt hatten, um damit offenbar freie Sicht zur Ostsee zu schaffen, hatten die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten das Ingenieurbüro Lehners und Wittorf in Lübeck, das geotechnische Beratung, Planung und Projektabwicklung anbietet, mit dem Gutachten beauftragt. Die Mitarbeiter nahmen Boden- und Bodenwasseruntersuchungen vor, und sie diskutierten mögliche Schadensursachen. Dabei stellten sie nach Angaben von Tybussek fest, dass der Hang ins Rutschen kam, weil es im Boden nicht mehr genügend Wurzelwerk gab und weil ihm dadurch auch Wasser entzogen wurde. Die Gutachter: „Diese Situation wurde durch Baumfällung in den vergangenen Jahren herbeigeführt.“ Der Wald erfülle nun mal eine wichtige Bodenschutzfunktion und stabilisiere den Hang. Nach Einschätzung des öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen Christoph Lehners sei die Hangböschung derzeit weitgehend stabil, da es am Fuß des Hanges eine Bodenwölbung gebe. Entstanden ist sie durch die heruntergerutschten Erdmassen. Das labile Gleichgewicht gehe allerdings verloren, wenn diese Aufwölbung ohne weitere Sicherung entfernt wird. Tybussek besichtigt die Schadensstelle täglich und berichtet: „Ich kraxele auch schon mal den Hang hinauf, damit ich nachteilige Veränderungen rechtzeitig erkennen kann.“
Sobald die Frostperiode vorbei ist, geht es an eine provisorische Hangsicherung, so dass die Straßensperrung wieder aufgehoben werden kann. Danach erst kann die Sanierung der schadhaften Böschung erfolgen. Und in diesem Punkt lässt Tybussek überhaupt keine zweite Meinung zu: „Da es sich bei der Fläche um Wald im Sinne des Landeswaldgesetzes handelt, wird es aus gesetzlichen und hangstabilisierenden Gründen eine Wiederbepflanzung mit Eichen und Buchen geben.“ Sämtliche Maßnahmen werden nach forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten erledigt. Tybussek weiter: „Mir ist wirklich vollkommen egal, was die Oberanlieger dazu sagen.“ Und sollten diese Bäume wieder herausgerissen oder gefällt werden, gebe es die nächste Strafanzeige. Es ist unser Hang, und darüber entscheiden wir und nicht irgendwelche anderen Leute.“
Sorgen macht sich Tybussek nicht nur über den Kammerwaldhang selbst, sondern auch um die finanzielle Seite des Vorhabens. „Die Kosten laufen aus dem Ruder“, erklärt er. Die zunächst einmal dafür geplanten 50 000 Euro würden nicht ausreichen.
Der Förster berichtet zudem von einem Gespräch, das zwischen Anliegern der Lindenstraße auf der einen sowie dem Rechtsanwalt Tilman Giesen und dem stellvertretenden Leiter der Landesforsten, Lutz Boucsein, auf der anderen Seite geführt wurde. Dabei seien zunächst einmal die unterschiedlichen Argumente ausgetauscht worden.
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