Begehrtes Diebesgut: Innerhalb weniger Monate wurden in Ostholstein dreimal größere Mengen Autoreifen mit dazugehörigen Felgen gestohlen. Zuletzt schlugen noch unbekannte Täter in Eutin zu, zuvor trieben Diebe in Neustadt und Bad Schwartau ihr Unwesen (die LN berichteten).
Im Eutiner Industriegebiet entwendeten sie am vergangenen Wochenende zwischen Sonnabend und Sonntag 160 Alu-Kompletträder. Die Diebe hatten die Schlösser an zwei Überseecontainern aufgebrochen und die darin gelagerten Reifen abtransportiert. Gesamtwert nach Angaben des betroffenen Autohaus-Chefs Frank Kania: 30 000 Euro. Die Polizei war zunächst von einem Schaden von 20 000 Euro ausgegangen, die Einlagerungsprotokolle belehrten Kania jetzt eines besseren.
Frank Kania hat jetzt ein Problem. Er hat bereits gestern versucht, alle betroffenen Kunden anzurufen und ihnen die schlechte Nachricht zu überbringen. „Dank der Einlagerungsprotokolle kann ich genau sagen, wessen Reifen weg sind“, sagte er am Abend. Und er verspricht: „Rechtzeitig zur Reifenwechsel-Saison bekommen alle Kunden ihre Sommerreifen.“
Die Diebe haben nur komplette Reifensätze mitgehen lassen, berichtet Serviceleiter Markus Höfel. Ausschließlich Leichtmetallfelgen, 18 verschiedene Typen, die meisten der Marke Ford. Und offenbar haben die Täter gezielt nach bestimmten Reifensätzen gesucht. Deshalb vermutet Höfel, dass sie im Auftrag handelten.
Wann genau die Täter zuschlugen, ist noch unklar. Die Polizei kann den Zeitraum lediglich eingrenzen. „Die Reifen wurden zwischen 13 Uhr und 8.30 Uhr des Folgetages abtransportiert“, sagt Polizeisprecher Torsten Baar. Die einzige Spur, die die Beamten bislang haben, sind Reifenspuren, die am Tatort gesichert wurden. Die Polizei vermutet, dass der oder die Täter einen größeren Kastenwagen, vermutlich einen Daimler Benz Sprinter mit langem Radstand, benutzt haben. Anhand der Spuren ist auch ersichtlich, dass das Tatfahrzeug zunächst vorwärts auf das Grundstück gefahren, dann gewendet und schließlich rückwärts an die Container herangefahren wurde.
Ob es zwischen den Taten in Eutin, Bad Schwartau und Neustadt einen Zusammenhang gibt, ist unklar. Torsten Baar sagt dazu lediglich: „Das kann nicht ausgeschlossen werden.“ Das Vorgehen der Täter weist zumindest eine Paralelle auf. In Eutin und in Bad Schwartau brachen die Unbekannten Vorhängeschlösser auf und gelangten so an die Reifen in den Containern.
Dass es einen Trend zum Reifenklau gibt, sieht Polizeisprecher Baar nicht. „Es kommt mal vor, ist aber keine besondere Masche.“ Storm hingegen berichtet von ähnlichen Diebstählen. „Ich habe schon häufiger aus Kollegenkreisen – und zwar deutschlandweit – gehört, dass der Diebstahl von Reifen zunimmt.“ Meist seien Händler betroffen, die ihre Räder in Containern lagern. „Die kann man relativ schwer sichern“, sagt Jan Peter Storm, Geschäftsführer von Auto Storm in Oldenburg, und ergänzt: „Bei uns sind sie dadurch geschützt, dass sie im Ersatzteillager sind. Der größte Schutz aber ist, dass der Betrieb von Wohnbebauung umgeben ist und permanent jemand vor Ort ist.“
Es gibt noch eine andere Möglichkeit, die aber teuer ist: Im Travag-Autohaus in Eutin etwa kommen die Reifen ins Hotel. Die Winterreifen im Sommer und die Sommerreifen im Winter. Travag-Geschäftsstellenleiter Malte Fischer berichtet, dass dieses Reifenhotel eine zentrale Stelle ist, irgendwo in Deutschland, wo die Reifen gegen Gebühr eingelagert werden. „Dort sind sie sicher.“
Zeugen, die in der Eutiner Industriestraße etwas beobachtet haben, werden gebeten, sich unter Telefon 045 21/80 10 bei Polizei zu melden. ser/sas
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.





