100 Jahre Stadt Bad Schwartau. Die Vergabe der Stadtrechte soll in diesem Jahr groß gefeiert werden, aber im Vorfeld rumort es. Die Interessengemeinschaft Lübecker Straße (IGLS) erhebt schwere Vorwürfe und spricht von einer „vermasselten“ Chance für die Stadt, die nun ein biederes Gesamtbild zeige. Die Aktivgruppe Handel und Gewerbe (AHG) kritisiert ebenfalls. „Es fehlt ein roter Faden“, moniert AHG-Vorstand Stefan Klindwort. Bürgermeister Gerd Schuberth kann den Unmut überhaupt nicht verstehen. „Wir setzen das um, was die Politik beschlossen hat. Wir machen ein Fest für Bad Schwartau von Bad Schwartauern“, so Schuberth.
„Statt in eine überregionale, weit über die Grenzen Bad Schwartaus hinausstrahlende und jährlich wiederholbare Veranstaltung zu investieren, hat der Bürgermeister als hauptverantwortlicher Planer es offenbar für angebracht erachtet, im kleinstmöglichen Kreise zu feiern“, heißt es in einer IGLS-Pressemitteilung. Die Vorsitzende Christina Rux will nicht das Engagement der Ausrichter und Beteiligten schmälern, aber von einer „großen Sause“ könne keine Rede sein. Das Programm sei nicht nur wenig mitreißend, sondern eine Aneinanderreihung des fast ewig Gleichen und Gestrigen. Bestimmte Aktivitäten als „Ankerveranstaltungen“ und „Höhepunkte“ zu bezeichnen, sei schon eine sehr gewagte Wortwahl. Rux: „So wurde eine große Chance für unsere Stadt Bad Schwartau von höchster Stelle durch Zaudern, Zögern, Ändern, Zerreden und Verschieben vermasselt.“ Auch die AHG, die laut Klindwort sich eigentlich nicht in die Politik einmischen will, ist enttäuscht. „Das Jubiläum hätte man wunderbar als Stadtmarketing-Instrument nutzen können“, so Klindwort, der sich mehr Unterstützung für die geplanten verkaufsoffenen Sonntage gewünscht hätte. Kaufhaus-Chef Lars Matzen ist ebenfalls bedient. „Wenn ich sehe, was geplant ist, kommt mir doch vieles sehr bekannt vor. Einziger Unterschied: Alles kostet jetzt ganz viel Geld“, so Matzen, der gerade mit der Bitte um eine kleine Unterstützung für eine Oldtimer-Veranstaltung bei der Stadt abgeblitzt ist. „Anträge von Gewerbetreibenden werden generell anders behandelt“, moniert Matzen und geht damit auf Kurs der IGLS, die die einberufene Lenkungsgruppe als eine Farce sieht. Die Vorschläge von der IGLS und AHG seien teilweise schon im Vorfeld selektiert und einfach abgelehnt worden.
„Das stimmt nicht“, kontert Bürgermeister Schuberth. Alle vorgeschlagenen Veranstaltungen seien bei einem Treffen auch präsentiert worden, entsprechend sei auch der Vorwurf, dass es eine Einbindung der aktiven Gewerbetreibenden nicht gegeben habe, schlichtweg falsch. Laut Rux seien von einem teuer erkauften „Konzept“ nach jetzigem Stand nur rudimentäre Reste verblieben, was allerdings nicht unbedingt zu bedauern wäre, da dieses Konzept vor allem durch seinen exorbitanten Finanzbedarf auffällig war, kritisiert Rux weiter.
„Neue und zukunftsweisende Formate für Bad Schwartau waren wohl jenseits der Vorstellungskraft der Verwaltungsentscheider“, so Rux. Das von der IGLS vorgeschlagene erfolgreiche Baltic Blues Festival wäre kostengünstig umsetzbar gewesen. So eine Veranstaltung habe das Potential, viele Gäste in die Stadt zu holen. „Das wäre ein Zeichen gewesen, voranzuschreiten und die Stadt als weltoffen, innovativ und feierfähig zu präsentieren. Aber offensichtlich will man unter sich sein im Städtchen. Da scheinen Gäste ja nur die Ruhe zu stören“, sagt Rux, die ebenso das krampfhafte Festhalten an einem Festtermin, der ob der bereits beginnenden Ferien ungünstiger kaum sein könne, kritisiert. „Da ist die Queen bedeutend cleverer: Sie verschiebt sogar ihre Feier zum Thronjubiläum.“
Den Unmut über den Termin zum Festwochenende am ersten Juli-Wochenende kann Bürgermeister Schuberth überhaupt nicht akzeptieren oder nachvollziehen. „Das ist ein historisches Datum. Die Politik hat ebenfalls beschlossen, an diesen Tagen zu feiern“, so Schuberth, der die Kritik im Vorfeld als vollkommen unangebracht empfindet. Zumal man die Ausrichtung des Festwochenendes extra in die professionellen Hände der Event-Agentur „Kürbis & friends“ gegeben habe.
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