Die herbe Kritik der Bad Schwartauer Geschäftsleute an den Planungen des Stadtjubiläums unter der Federführung von Bürgermeister Gerd Schuberth verhallt nicht ungehört. Im Gegenteil: In Teilen stimmen die Politiker sogar zu. Die geplanten Aktivitäten anlässlich der Vergabe der Stadtrechte vor 100 Jahren seien zu bieder und ohne Strahlkraft, hatte die Wirtschaft moniert.
„Der Unmut ist durchaus berechtigt. Die Äußerungen des Bürgermeisters sind für mich nicht nachvollziehbar. Jetzt der Politik die Schuld zu geben, geht an der Realität vorbei“, so der CDU-Stadtverordnete Gerd F. Radisch. Die Wirtschaft sei zwar im Lenkungsausschuss vertreten gewesen, doch über die Vorschläge sei da wohl weniger diskutiert worden. Es sei einfach nur darum gegangen, dort die von Schuberth vorgelegten Vorschläge abzusegnen.
Parteikollegin und CDU-Fraktionschefin Ellen Brümmer will soweit nicht gehen. „Die Kritik zeigt, dass sich die Gewerbetreibenden nicht genügend eingebunden fühlen. Das ist schade“, so Brümmer. Aus ihrer Sicht stimme ganz einfach die Kommunikation zwischen Verwaltung, Politik und Handel mal wieder nicht. „Daran müssen wir arbeiten. Das hat uns schon die Koordinierungsrunde für das neue Stadtprofil gezeigt.“ Es sei aber nicht in Ordnung, sämtliche Veranstaltungen im Vorfeld negativ zu belegen. „Das 100-und-eins-Generationen-Spiel hat schon das Zeug über die Stadtgrenzen hinaus zu wirken“, sagt Brümmer. Aus ihrer Sicht sei das Jubiläum sicherlich ein Stadtmarketing-Instrument, aber eben nicht nur. „Das Jubiläum ist auch ein Fest für die Bürger. Genau das haben Verwaltung und Politik berücksichtigt.“
Der SPD-Politiker und Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Kultur und Sport, Axel Gieseler, gehen die Vorwürfe von der Interessengemeinschaft Lübecker Straße (IGLS) und der Aktivgruppe Handel und Gewerbe (AHG), die ein vermasseltes Stadtjubiläumsfest befürchten, zu weit. „Der Bürgermeister trägt zwar die Verantwortung, aber die Entscheidung über das Programm hat die Lenkungsgruppe getroffen. Und in diesem Gremium sitzen auch zwei Vertreter der Gewerbetreibenden. Sicherlich wurden nicht alle Entscheidungen einhellig getroffen, aber mehrheitlich beschlossen“, sagt Gieseler. Entsprechend müsse man sich diesem Votum dann aber auch fügen. „Das gehört zur Demokratie“, so Gieseler, der aber nicht alles schönreden will. „Im Vorfeld gab es Versäumnisse. Wir hätten uns schon Anfang 2011 alle zusammen setzen sollen. Dann wäre vielleicht einiges besser gelaufen.“
Die Wählergemeinschaft Bad Schwartau (WBS) kann die Vorwürfe nachvollziehen. „Es gibt schon einen Konflikt. Der Einzelhandel hat auf ein Jubiläum mit Stadtmarketing-Effekt gesetzt. Die Stadt will aber anders feiern. Das wurde tatsächlich auf politischer Ebene so getragen“, erklärt der WBS-Vorsitzende Steffen Dannenberg.
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