„Nur irgendwo etwas hinzupinseln, ist auch falsch, es muss schon Qualität haben.“ Edwin Süselbeck, Landesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Schleswig-Holstein, referierte in Eutin über Regeln für Radwege. Denn Eutin will fahrradfreundlicher werden, und darüber hat der Arbeitskreis Verkehrskonzept beraten.
Ein Schritt auf dem Weg zu einer Stadt, in der sich Radfahrer wohlfühlen, könnten sogenannte Radfahrstreifen (mit durchgezogener Linie von der Fahrbahn getrennt) oder Schutzstreifen (gestrichelte Linie) sein. Welche Lösung auch immer gefunden wird, Süselbeck warnte vor Schnellschüssen: „Radverkehrsplanung ist keine Feuerwehrpolitik. Radwege sollten so sein, dass Radfahrer sie freiwillig benutzen.“ Und das können eben auch Radwege sein, deren Grenzen auf die Straße gepinselt sind. Aber eben durchdacht.
Solche Schutzstreifen oder Radfahrstreifen gibt es bisher in Eutin noch gar nicht, wohl aber in Lübeck und Kiel. „Wir können auch mit Markierungen arbeiten“, nennt Eutins Bauamtsleiter Bernd Rubelt eine Möglichkeit, mehr Sicherheit und Komfort für Radfahrer zu schaffen. Grundgedanke gerade auf schmalen Straßen ist der sogenannte „Shared Space“, der geteilte Raum, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind.
Jetzt geht es aber erst einmal um die Frage, wo die Radfahrer entlangfahren und wie dort etwas für sie getan werden kann. Dazu wurden bei der Sitzung des Arbeitskreises Verkehrskonzept eine Reihe von Anregungen gesammelt. Denn mit der Sicherheit für Radfahrer steht es nicht gut in der Eutiner Innenstadt. Gefahrenpunkte und fehlende Wegeverbindungen wurden etwa an der Plöner Straße/Ecke Plumpstraße ausgemacht, aber auch in der Elisabethstraße, in der Straße Am Rosengarten, an der Ecke Lübecker Straße/Jungfernstieg, im Katerstieg, der Weidestraße und der Anbindung des Charlottenviertels an die Innenstadt. Ebenfalls in der Kritik: die neue Riemannstraße, die im zentrumsnahen Teil über keinen Radweg verfügt. „Die Anlage ist nicht ganz gelungen, obwohl da viel Geld reingeflossen ist“, stellte denn auch Süselbeck unter dem Beifall der Zuhörer und Arbeitskreismitglieder fest.
Und es gibt laut Süselbeck noch mehr in Eutin zu kritisieren. Es fehle an Wegweisern für Fahrradfahrer. „Eutin liegt an zwei Fernradwegen und ist Ziel vieler Radtouristen und Urlauber. Die brauchen Wegweisung“, schrieb er der Stadt ins Stammbuch. Und er gab ein Plädoyer dafür ab, Einbahnstraßen in beide Richtungen für Fahrradfahrer zu öffnen. „Das hat eine relativ große Wirkung, ich kann dazu nur ermutigen.“
So etwas ist etwa für die Straße Am Rosengarten nur schwer vorstellbar. Eng, Kopfsteinpflaster – dass hier ein Schutzstreifen entstehen und sogar in beide Richtungen mit dem Fahrrad gefahren werden könnte, erscheint unwahrscheinlich. Bauamtsleiter Rubelt will sich auf so eine Lösung auch noch gar nicht festlegen. „Ich mache mir erst einmal Gedanken darüber, wohin ich will. Und wenn ich das weiß, fallen mir die Wege dorthin ein“, erläutert er sein weiteres Vorgehen. Danach gehe die Frage an die Politik: Will sie die Ideen überhaupt umsetzen und will sie dafür bezahlen? Und gibt es vom Land Zuschüsse für die Vorhaben?
„Wir haben die Möglichkeit, unser Wunsch-Fahrradwegenetz vorzustellen. Daran arbeiten wir jetzt“, definiert Rubelt den Stand der Dinge. Die Bürgerwerkstatt des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (Isek) und der Arbeitskreis werden tagen, um die nächsten Schritte zu gehen. Allerdings erst nach Ostern.
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