Ina Brockmann von der Sammlung Reichelt und Brockmann aus Mannheim ist mit 85 Fotos nach Eutin gekommen. Sie war von Linda vor deren Krebstod 1998 gebeten worden, die Handabzüge zu verwalten und für Ausstellungen zur Verfügung zu stellen. Die US-Amerikanerin sei nicht etwa durch ihren Mann bekannt geworden, betont Ina Brockmann. Sie sei anerkannte Porträtfotografin gewesen, bevor sie die Beatles kennenlernte. Als alleinerziehende Mutter musste sie in den frühen 1960er Jahren für sich und die Tochter Heather den Lebensunterhalt verdienen.
Linda Eastman – so ihr Geburtsname – arbeitete bei einem Zeitschriftenverlag in New York. Briefe, die nicht namentlich adressiert waren, hatte sie zu öffnen. Dabei fand sie die Einladung zu einem Pressetermin mit den noch unbekannten Rolling Stones. Aus eigenem Entschluss ging sie hin, war schließlich die einzige von Mick Jagger akzeptierte Fotografin. Ein Foto von Brian Jones, der breitbeinig im Stuhl hängt, erregte die Aufmerksamkeit von Brian Epstein, dem Manager der Beatles. Er verschaffte ihr Aufträge. So lernte sie die Beatles und ihren späteren Ehemann Paul McCartney kennen.
Linda und Paul heirateten 1969. Im gleichen Jahr wurde die erste gemeinsame Tochter geboren und Linda gab die professionelle Fotografie auf. Nur für den Hausgebrauch drückte sie weiter auf den Auslöser. „Alle Fotos der Ausstellung sind Handabzüge“, betont Julia Hümme vom Ostholstein-Museum. „Linda zog mit der Nikon und einem Film los, ohne Blitz.“ Was ist das Besondere an den Fotografien? Ina Brockmann: „Sie hat sich ihrem Objekt genähert, ohne ihm zu nahe zu kommen. Ruhe und Gelassenheit, aber auch Nähe, ja Intimität zeichnen die Bilder aus.“
Auf den Fotos feiern nicht nur die Beatles Auferstehung. Die ganze Ära der Sechziger lebt wieder auf. Neben den Stones waren es The Who, die Yardbirds, die Beach Boys, Frank Zappa, Jimi Hendrix, Bob Dylan, Janis Joplin und viele andere, die nicht nur den Musikgeschmack, sondern das Zeitgefühl der jungen Leute formten. Die Elterngeneration verstand die Welt der Jungen nicht. Der Krach werde schnell verschwinden, war ihre Meinung. Weit gefehlt. Neben Wirtschaftswunder und Vollbeschäftigung wollten die Jungen etwas anderes. Manches erklären kurze Zitate der Fotografin neben den Bildern. Zu einer Szene mit Jim Morrison, dem Sänger der Doors, einem besonders gut aussehenden Musiker, schrieb Linda: „Vor der Halle suchten besorgte Eltern nach ihren entlaufenen Kindern.“
Die Ausstellungsmacherinnen sind davon überzeugt, dass auch die heutige Jugend Zugang zu den Fotos findet. „Es gibt ein Revival der Musik der 60er Jahre“, sagt Ina Brockmann. Zur Eröffnung spielen Lehrer der Kreismusikschule Titel der 1960er Jahre.
„Linda McCartney – The Sixties, Porträt einer Ära“, Eröffnung: morgen (Freitag), 18 Uhr. Bis 6. Mai, Ostholstein-Museum Eutin, Schlossplatz 1
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