Nun stand endlich der ersehnte Neubau von drei Klassenzimmern auf dem Schulhof im städtischen Haushaltsplan – da wurde von einigen Stadtvertretern daran herumgekrittelt und mehrheitlich ein Sperrvermerk verhängt. Im Klartext: Der Schulanbau wird auf die lange Bank geschoben. Bevor die Stadtvertreter dafür das endgültige „Go“ geben, soll neu beraten werden. CDU-Fraktionschef Thomas Vorbeck beruhigte: „Wir sind nicht grundsätzlich dagegen, wir wollen nur ein Konzept vorgestellt bekommen.“ Am Rande der Sitzung gab es mehr Klartext von der CDU: Dem Steuerzahler könne man angesichts der Finanzsituation der Stadt nicht erklären, dass im Schulzentrum Räume leerstehen und die Stadt bei der Gemeinschaftsschule am Seminarweg über eine Million Euro für neue Klassenräume ausgebe, hieß es.
Tatsächlich sind die Schüler im Altbau der Gemeinschaftsschule teilweise extrem eng zusammengepfercht. Der LN-Reporter kam vor einem Jahr kaum in den Raum hinein, als er eine Klasse besuchen wollte. Die Luft war zum Schneiden. Jens Lichte (SPD) wies darauf hin, dass laut Schulgesetz jedem Schüler zwei Quadratmeter in einem Klassenraum zustehen. „Wir müssen etwas tun, um das Gesetz zu erfüllen“, rief Lichte. „Die Schule hat zu viele Schüler aufgenommen“, so Vorbeck. Außerdem habe die Gemeinschaftsschule am Schulzentrum früher 1400 Schüler gehabt, jetzt nur noch über 700. Was haben die mit dem frei werdenden Platz gemacht? Vorbeck: „Diese Eine-Million- Euro-Frage muss erst beantwortet werden, bevor gebaut wird.“ Die LN fragten bei Schulleiter Bernd Falkenhagen nach. „Wir sind jetzt fünf- bis sechszügig, und könnten auch sechs- bis siebenzügig sein“, erklärte er. Nach seiner Prognose werde es an seiner Schule 2012 50 neue Fünftklässler weniger geben.
Bürgermeister Dieter Schönfeld zeigte sich gestern erstaunt: Der Stadt habe Falkenhagen mitgeteilt, dass er im Moment keine freien Räume habe. Ganz abgesehen davon gebe es in der Schule am Seminarweg Räume mit 36 und 43 Quadratmetern. „Das ist nicht zeitgemäß, wir brauchen hier Norm-Klassen mit 59 Quadratmetern.“ Das sagt auch der stellvertretende Schulleiter am Seminarweg, Hans-Joachim Bolda. Die Schule müsse auf jeden Fall ihre Dreizügigkeit behalten, sonst würde sich das Unterrichtsangebot verschlechtern. Die Schule benötige dringend Räume für differenzierenden Unterricht.
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