Wo jetzt noch ein bewirtschafteter Wald steht, in Kiebitzholm beiderseits der Grünbrücke über die A 21 bei Negernbötel, wird es bald einen „Urwald“ geben: Einen Naturwald, völlig sich selbst überlassen – damit Natur sich wieder ungestört vernetzen kann. Ein zum Zweck der Vernetzung bundesweit bislang einmaliger Nicht–Eingriff: „Im Naturwald werden sich störungsempfindliche Tier- und Pflanzenarten ansiedeln, die auf Totholz und naturnahe Waldstrukturen angewiesen sind“, heißt es dazu von der Aktion „Holsteiner Lebensraum“, einem Projektverbund mit vielen Mitmachern: Stiftung Naturschutz, Deutscher Jagdschutzverband, Landesforsten, Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, Wildpark Eekholt, Institut für Natur- und Ressourcenschutz in Kiel und das Bundesamt für Naturschutz. Gestern stellten Naturschützer und Landesforstmitarbeiter das Projekt vor, das rein räumlich schon einiges hermacht: 17 Hektar sollen aus der Nutzung herausgenommen und langfristig zum Naturwald werden. Das entspricht einem Nutzungsausfall wegen des entgangenen Holzes von 273 000 Euro. Zu zwei Dritteln fördert das Bundesamt für den Naturschutz dieses Projekt.
Spaziergänger sollten sich nicht wundern, dass zunächst kräftig abgeholzt wird, bevor alles naturbelassen werden kann: Nadelbäume werden aus dem Laubwald entfernt – gefällte Stämme zum Teil einfach liegengelassen.
Gerade im Kreis Segeberg werde viel Wald durch drei Autobahnen und weitere Straßen zerschnitten, sagt Herlich Marie Todsen-Reese, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutz: „Diese Straßen werden gebraucht, aber eine heile Natur ist genauso wichtig.“ Die Stiftung wende sich gegen Vereinzelung und genetische Schäden. Direktor Tim Scherer erklärte für die Landesforsten, dass sein Betrieb schon den wirtschaftlichen Erfolg im Auge haben müsse, dabei das Gemeinwohl aber nicht vergesse: Bereits bevor die 17 Hektar von Kiebitzholm nicht mehr bewirtschaftet werden, seien fünf Prozent der Landesforsten aus der Nutzung herausgenommen worden. Neu am Negernbötel Projekt sei eben, dass dies ausschließlich zum Zweck einer Wiedervernetzung geschehe.
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