Sülfeld-Borstel – Prächtig restauriert präsentiert sich das Herrenhaus Borstel. Was aber viele nicht wissen, nicht einmal ahnen, ist, dass sich dahinter ein wunderschöner acht Hektar großer Park erstreckt, der gerade wieder hergerichtet wird. Und das ist gar nicht so einfach. Denn Landschaftsarchitekt Holger Muhs, ein Experte für solche Aufgaben, und die Fachleute der auf solche Anlagen spezialisierten Mitarbeiter der Gartenbaufirma Smid (Muhs und Smid haben bereits den Plöner Schlosspark „restauriert“) haben es hier mit einer Melange aus unterschiedlichen Stilrichtungen zu tun.
Ursprünglich war der Park Mitte des 18. Jahrhunderts barock angelegt worden. Stark gegliedert, mit axialer Struktur, sehr geometrisch geschnittenen Gewächsen. Gegliedert war der Garten in drei Abschnitte: das „Parterre“ direkt am Haus mit flachen Pflanzen, dem anschließenden „Boskett“ mit halbhohen Pflanzen und vielen von Hecken umgrenzten „Kabinetten“ und „Salons“, in die man sich zurückzog, um zu diskutieren oder zu flirten. Und schließlich gab es den hausfernen Waldteil.
Von der barocken Struktur ist nicht mehr viel zu sehen. Am ehesten noch im sogenannten Ehrenhof auf der Vorderseite des Hauses. Hier gibt es noch die Symmetrie in Form zweier kurzer Lindenalleen. Sie sollen erhalten und kastig geschnitten werden, erklärt Muhs. Bereits erledigt ist die Entfernung des Asphalts der Umfahrt. Die präsentiert sich jetzt schön oval, vorher hatte sie mehr Ei-Form. Und: Die Smid-Leute haben Kopfsteinpflaster verlegt. „Wunderschöne 300 Jahre alte Granitsteine von einer Gutsanlage in Mecklenburg“, freut sich Niels Smid. „Das ist schön rund gefahren, so was kriegt man kaum noch.“
Abgerissen sind die hässlichen Lampen, die den Ehrenhof früher erleuchtet haben. „Wir ersetzen sie durch ganz moderne, stimmungsvolle Leuchten“, verspricht Muhs. Ansonsten werde vor dem Herrenhaus fast nichts verändert. Allein in den Rasen sollen weiß-violette Krokusse gesetzt werden, ansonsten wird es keinen Schnickschnack geben.
Relativ nüchtern wird es auch hinterm Haus werden. Und zwar angelehnt an die Prinzipien des Landschaftsgartens. Er löste der Mode der Zeit entsprechend im 19. Jahrhundert den Barockgarten ab. Verspieltes wurde entfernt, man baute sich die Natur so, wie man sie haben wollte – ohne, dass es künstlich aussah. Der Landschaftsgarten ist das, was Muhs wieder schaffen soll, soweit es denn geht. Denn inzwischen war die Natur nicht untätig. „Sie hat sich ihren Teil des Parks zurückgeholt“, sagt Muhs. Dennoch gibt es für ihn keinen Zweifel: Der unter Denkmalschutz stehende Park „ist ein Kulturgut ersten Ranges“.
Muhs lässt nur sehr wenig in den Garten einbauen, dafür vieles entfernen, vor allem Sträucher, aber auch Bäume. So soll aus dem Waldbereich über eine (wieder zu schaffende Mittelachse) der freie Blick auf das Herrenhaus hergestellt werden. „Die Zurückeroberung des Gartenraumes“, strebt Muhs an. Alle Wege, die angelegt oder verändert werden, erhalten eine Sandschicht. Auf Spielkram wird verzichtet: keine Pavillons, keine Springbrunnen, keine Teiche (obwohl der Mühlenteich früher Teil des Landschaftsgartens war), überhaupt keine Bauwerke im Park, auch keine Terrassierungen. Auf Blumen wird ebenfalls verzichtet. Muhs: „Das Prinzip des Landschaftsgartens ist, ganz schlicht zu sein. In ihm gibt es ein Wechselspiel der Räume – ein Öffnen der Sicht und ein Verschließen der Sicht.“ Das lasse einen Garten größer erscheinen. Doch viele Blickbeziehungen seien zugewachsen.
Träger der auf 350 000 Euro angesetzten Maßnahme ist der Kreis. Mit 150 000 Euro beteiligt sich die Aktivregion Alsterland. Das Geld dürfte gut angelegt sein. Kreis und Aktivregion ermuntern die Bürger, sich den Park zu erlaufen. Er ist frei zugängig. Eines ist sicher: Anfang 2012 kann man in einer wunderbaren Anlage lustwandeln.
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