Es hätte alles ganz anders kommen können. „Diese Variante galt bis gestern, doch die brauchen wir ja erfreulicherweise nicht mehr.“ Das sagte Peter Cornelius, bis zum Donnerstag Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Linse – Lichtspielkunst in Segeberg, zu einem von ihm erarbeiteten Zahlenwerk. Sowohl Cornelius als auch seine Stellvertreterin Magdalena Koll hatten für Donnerstag ihren Rücktritt aus Zeitgründen angekündigt. Und hätten sich keine Nachfolger gefunden, hätte der Verein vor der Auflösung gestanden. Das wurde abgewendet: Peter Strehmel, Journalist aus Bad Segeberg, übernahm den Vorsitz.
Neue Stellvertreterin ist Gesa Runge, Kassenwartin bleibt Christine Büntjen und neuer Schriftführer (anstelle von Bernd Klein, Bad Bramstedt) ist Johannes Peschke, alle aus Bad Segeberg. Die Linse mit ihren 77 Mitgliedern und bis zu 52 Filmen im Jahr macht also weiter – aufatmen und Beifall bei der kleinen Schar der Mitglieder, die am Donnerstag zur Versammlung gekommen waren.
Der neue Vorsitzende war zwar nicht gekommen – als Cineast mochte er sich einen interessanten Abend bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck nicht entgehen lassen –, hatte aber schriftlich seine Einwilligung „zu jedem Amt außer Kassenwart“ ausrichten lassen: „Es wäre schade, wenn das Licht der Linse erlöschen würde“, heißt es in der Grußbotschaft Strehmels, der zu den Gründungsmitgliedern des sechs Jahre alten Vereins gehört.
Nun kann die Linse also mit frischer Kraft weitermachen; mangelnde Publikumsresonanz war nie der Grund dafür, dass man zuletzt von Vereinsauflösung sprach. Das mag früher einmal so gewesen sein, als man die Filme noch selbst auswählte, so dass Frank Häfner, Betreiber des Bad Segeberger Kinos Cineplanet 5, manchmal vor einem fast leeren Saal stand. Auf Dauer war das finanziell nicht durchzuhalten gewesen, so dass die Linse sich im Vorjahr einem Filmabspielring anschloss. Der wählt weniger Dokumentarfilme oder cineastische Raritäten aus, sondern gute aktuelle Filme, von einer Qualität wie sie sonst im regulären Programm eines Kinos kaum auftauchen: „Kleine wahre Lügen“ (Frankreich, 2010) etwa oder „Almanya – Willkommen in Deutschland“ (Deutschland, 2010).
Seitdem läuft der Linse-Dienstag: Jeweils um 17.30 und um 20 Uhr wird dienstags im Cineplanet der besondere Film gezeigt, goutiert von durchschnittlich 43 Besuchern, wie der scheidende Vorsitzende Peter Cornelius den Mitgliedern berichtete. Da können sich mal nur knapp ein Dutzend Filmfreunde im Saal verlieren, da gab es aber auch einige Tage, an denen es weit über 80 waren. Auf 1907 Besucher kamen Kinochef Frank Häfner und die Linse bis Stichtag 24. Oktober. Die 2000er-Grenze dürfte also in diesem Jahr noch locker überschritten werden. Der Kinobesitzer zahlt die Leihgebühr für die Filme, der Verein Linse kümmert sich um das Marketing, vor allem durch sein Mitglied Johannes Hoffmann, der die website http://www.lichtspielkunst-segeberg.de
betreut.
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