Doch die Regel sind eher kleinere Summen, zwischen zwölf und 120 Euro. Klar, dass jeder mal ’reingreifen will, und manche Kunden eben auch mehrmals. Fällt ja nicht auf, oder?
Irrtum. Fällt doch auf. Das erfuhren jetzt zwei junge Frauen – beide aus einem anderen Kulturkreis –, von denen eine an mehreren Tagen in die Glückstrommel greifen wollte und von dem Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens entschieden daran gehindert wurde. Zwischen den dreien entwickelte sich eine heftige Debatte, die dann zu einem weiteren Gespräch mit Hausleiter Peter Kruse (51) führte. Doch auch das soll recht emotional – und offenbar für die beiden Kundinnen unbefriedigend – gelaufen sein.
Deshalb wandte sich Ayesha Hübsch (26) an die LN und beschrieb den Vorfall, der, wie sie sagte, für die beiden Frauen demütigend und verletzend gewesen sei. Denn in der Debatte um das mehrfache Ziehen eines Glückskekses im Foyer habe der zuständige Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, Manfred Buchholz (57), die beiden Frauen vor „versammelter Menge“ aufgefordert, mit zur Hausverwaltung zu kommen. „So als ob man was geklaut hätte“, erklärte Ayesha Hübsch. Anschließend seien sie und ihre Tante dann von Hausleiter Peter Kruse aufgefordert worden, das Möbelhaus sofort zu verlassen. „Herr Buchholz beaufsichtigte uns, damit wir nicht zurück in den Einkaufsbereich gelangen. Er wollte, dass wir den Ausgang der Mitarbeiter nehmen, der mehrere hundert Meter von unserem Auto entfernt lag“, beschrieb die junge Frau. Weil es jedoch stark regnete, ließ Buchholz die beiden Frauen durch den Einkaufsbereich gehen. Als sie aber in Richtung Restaurant abbiegen wollten, habe er sie aufgehalten und den Weg zum Ausgang gezeigt. „Das war das Demütigendste, was mir je in einem Einkaufgeschäft geschehen ist“, unterstrich Ayesha Hübsch. Denn überall hätten Menschen gestanden und zugesehen. Zumal beide Frauen entsprechend ihres Kulturkreises auch ein Kopftuch getragen haben. „Da baut sich dann schnell bei den Leuten ein falsches Bild auf“, bemerkte die junge Frau.
In einem LN-Gespräch erläuterten zunächst Peter Kruse und Manfred Buchholz, später Kruse und Ayesha Hübsch noch einmal den Vorfall. Kruse beschrieb Buchholz als einen besonnenen Mitarbeiter, der schon lange für das Sicherheitsunternehmen bei Möbel Kraft arbeite: „Sehr freundlich, sehr gewissenhaft.“ Das Haus habe ihn zu dieser Aktion abgestellt, weil schon mehrfach Auszubildende von Kunden ruppig behandelt worden seien.
Kruse und Buchholz bestätigten, dass manche Kunden mehrmals in den Glückskeks-Topf griffen und es nicht immer auffalle. In diesem konkreten Fall sei Buchholz auf die beiden Kundinnen aufmerksam geworden, weil die Ältere der beiden schon mal einen Keks gezogen habe. Den Vorwurf von Ayesha Hübsch, er habe die Hand ihrer Tante festgehalten, als sie in die Trommel gegriffen habe, widersprach Buchholz: „Ich habe die Dame nicht angefasst.“ Im übrigen hätten sich die beiden Kundinnen auf keine Diskussion einlassen wollen, er sei vielmehr aufs Übelste – in der Fäkalsprache – beleidigt worden. Das wiederum wies Ayesha Hübsch zurück: „So etwas sage ich niemals. Das ist nicht mein Stil.“ Allerdings gab sie zu, geschrien zu haben.
Die Emotionen waren hochgekocht, die Sachlichkeit auf der Strecke geblieben. Diese Entwicklung habe er nicht gewollt, räumte Hausleiter Peter Kruse ein. Er hielt für Ayesha Hübsch einen Gutschein bereit, gewissermaßen als Entschädigung für den Vorfall.
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.



