Wie Dr. Kurt Warlies, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, den LN gestern auf Anfrage sagte, sei im Stall eines Schafzüchters das Schmallenberg-Virus bestätigt worden. Außerdem gebe es Verdachtsfälle in vier weiteren Betrieben im Kreis.
Der betroffene Betrieb liegt im Amtsbereich Trave-Land: Sechs Lämmer kamen hier tot oder mit schweren Behinderungen zur Welt. „Die Verdachtsfälle ziehen sich quer durch den ganzen Kreis“, sagte Warlies, der befürchtet, dass in den nächsten Tagen weitere Meldungen folgen könnten.
Da die Ansteckung mit diesem Virus durch Mückenstiche geschieht, werde man erst ab März wissen, ob im Kreis Segeberg auch Rinder infiziert worden sind. Die Ansteckung der trächtigen Muttertiere muss im August und September erfolgt sein. Schafe haben eine Trächtigkeitsdauer von fünf, Rinder von neun Monaten.
Eine direkte Ansteckung von Tier zu Tier gibt es nicht, trotzdem ist das neue Virus für Schafzüchter eine Katastrophe: Zwar ist der Erreger für Menschen unschädlich, doch sind die davon befallenen Lämmer – wenn sie nicht gleich tot zur Welt kommen – nicht in der Lage, heranzuwachsen. Das Schmallenberg-Virus führt laut Warlies zu schweren Missbildungen des Skeletts (bis hin zu einer verdrehten Wirbelsäule) und des zentralen Nervensystems.
Erst ab 2006 hatten die Schafzüchter herbe Einbußen durch die Blauzungen-Krankheit, und auch bei den ersten Schmallenberg-Fällen ging man davon aus, dass es die Blauzungen-Krankheit sein müsse, bis es dem Bundesforschungsinstitut gelang, die neue Krankheit einzugrenzen. Im Kreis Segeberg werden von 419 Haltern gut 7000 Schafe und etwa 400 Ziegen gehalten. Außerdem gibt es auf den Bauernhöfen im Kreis noch 80 000 Rinder.
In Schleswig-Holstein wurden nach einer aktuellen Mitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume bisher 17 Betriebe gezählt, in denen Lämmer vom Schmallenberg-Virus befallen sind – acht Betriebe mehr als noch am vergangenen Freitag. Bundesweit ist das Virus in 128 Betrieben aufgetreten, die Schafe, Ziegen oder Rinder halten. Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf hat das Bundeslandwirtschaftsministerium gebeten, sich für eine Anzeigepflicht in der Europäischen Union sowie für finanzielle Hilfen für die Betroffenen einzusetzen.
„Wir melden solche Erkrankungen bereits jetzt in einer Art vorauseilendem Gehorsam“, sagte Warlies. Wenn die Krankheit in einem Betrieb auftrete, erfahre das Gesundheitsamt meist über die Tierärzte davon. Das Kieler Ministerium appelliert an Tierhalter, sich im Verdachtsfall an ihr Veterinäramt zu wenden. Im Landeslabor in Neumünster entstehen zur Zeit eigene Untersuchungskapazitäten.
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