Gustav-Adolf Spahr glaubt, die frühe Siedlung Nezenna gefunden zu haben.
Es wäre eine Sensation: Gustav-Adolf Spahr vermutet, das sagenumwobene „Nezenna“ gefunden zu haben. 500 Meter von seinem Eigenheim in Fahrenkrug entfernt, in der Feldmark, auf der Grenze zu Schackendorf stieß der fast 90-Jährige auf Funde, die auf eine Siedlung hindeuten. Auch entdeckte er Verfärbungen im Acker, Indizien für Gebäudereste.
Jahrzehnte stritten Historiker darüber, wo die Siedlung „Nezenna“, der Edelhof des Bischofs Wago (um 975 bis 980), gelegen hatte. Einige waren für Gnissau, andere für Wensin oder Warder. Inzwischen hat man sich auf eine kleine Insel im Wardersee geeinigt, denn dort wurden bei Ausgrabungen zwischen 1969 und 1971 25 000 Gefäßscherben, Reitersporen, Äxte und Lanzenspitzen gefunden. Auch ein goldener Ring gehörte zu den Relikten. Doch ein Punkt war nicht stimmig: In der Slawenchronik (1163 bis 1168) von Helmold von Bosau wird berichtet, dass der bischöfliche Edelhof mit Bethaus unweit vom Fuße des Kalkberges gelegen war. Und der Wardersee ist ja nun von Segebergs Wahrzeichen ’ne Ecke weg, erst recht zu Zeiten, als man noch gut zu Fuß sein musste.
Und nun kommt ein – zugegeben – rüstiger alter Herr und stellt bisherige Forschungen in Frage. Der frühere Bildhauer (er schnitzte die Galionsfigur für die Passat) ist in Archäologenkreisen kein unbeschriebenes Blatt. Von seinen Funden werde in Fachkreisen geschwärmt, erfuhren die LN von Experten. „Ich bin über 60 Jahre auf vorgeschichtlichen Pfaden“, sagt Spahr. 40 bis 50 Steinbeile habe er gefunden. Einige Stücke lagern im Wohnzimmerschrank. Da wo sonst Kaffeeservice und Spitzendeckchen liegen, sind Pfeilspitzen, Federmesser und andere Zeugen ausgestellt. Das Archiv Schleswig soll sich nach Spahrs Stücken die Finger lecken.
Erste Hinweise auf „seine Siedlung“ fand Spahr schon vor 20 Jahren: drei Hufeisen, mittelalterliche Keramik-Gefäße. Doch dann wurde die Fläche 20 Jahre lang zur Weide. Im Sommer wurde Mais angebaut. Spahr: „Ich habe dort bei Begehungen auf dem gepflügten Acker sofort die Grundrisse einer Siedlung gefunden.“ Laut der Slawen-Chronik bestand der Feudalsitz des Bischofs aus dem Bethaus und gemauerten, beheizbaren Gemächern. Die Koppel heißt „Wurt“. Das bedeute so viel wie „wüst gewordener Wohnplatz“. Passt doch, oder? Zumal die Anhöhe dort zwischen Fahrenkrug und Schackendorf früher eine Insel gewesen sein könnte, bis das umliegende Land trockengelegt wurde. Wäre die Gegend baumfrei, könnte man den Berg sogar sehen. Spahr vermutet auch, dass sich die Segeberger Augustinermönche hierhin 1139 absetzten. Früher gehörte es zur Högersdorfer Gemarkung. Fahrenkrug und Schackendorf gab es noch gar nicht. Spahr habe seine Funde schon dem Landesamt für Vor- und Frühgeschichte gemeldet. „Doch die sind zurzeit mit Notgrabungen auf der Trasse A 20 ausgelastet“, sagt er. Gewissheit bringen aber nur Ausgrabungen.
Wenn er selbst den Spaten in die Hand nimmt, findet er fast immer etwas: 1967 hob er Fundamentgräber für sein Haus aus und stieß auf bronzezeitliche Gräber. Der Mann schläft auf einem Kultplatz. Spahr selbst durfte damals im Behördenauftrag die ausgebuddelten Funde auswerten. Und nun kribbelt es wieder. Nezenna lockt.
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