Es ist saukalt auf dem verschneiten Lagerplatz in Daldorf, und die Männer haben noch ein paar Stunden Arbeit vor sich. Da hilft gegen die Kälte nur ab und zu eine Tasse mit heißem Tee – und gute Stimmung. Von der haben Dr. Manfred Quer, Geschäftsführer der Schleswig-Holsteinischen Holzagentur, Waldbesitzer Christoph Baron von Fürstenberg (Gut Nehmten), und der pensionierte Förster Siegfried Roelcke genug. Die Männer sind ein Taxier-Team. Ein lustiges. Sie begutachten Hunderte von mehr oder minder wertvollen Baumstämmen und legen deren Wert fest. Die Daten sind Grundlage für Fachleute aus ganz Deutschland und dem Ausland, die dieser Tage auf das Holz bieten.
Die Holz-Submission hat am Freitag begonnen. Inzwischen sind die Stämme, überwiegend Eichen, taxiert. Jetzt können die Aufkäufer aus Furnierwerken, Sägereien und der Möbelindustrie kommen und die Stämme unter die Lupe nehmen. Was Quer, Fürstenberg und Roelcke pro Stamm in höchstens einer Minute abhandeln, dafür brauchen die Aufkäufer, die immer auf Suche nach Spitzenholz sind, viel länger. Roelcke: „Die rücken dem Holz sogar mit einem kleinen Stechbeitel zu Leibe und laufen eine halbe Stunde um so einen Stamm herum.“ Zu Recht, denn in diesem Job kann man viel Geld verdienen – oder verbrennen.
2011 haben die Holzagentur, die private Waldbesitzer betreut, und die Landesforsten in Daldorf 1,2 Millionen Euro umgesetzt. Jetzt liegen hier 1200 Stämme mit zusammen 2500 Festmetern. Und die sollen zu Höchstpreisen an die Abnehmer gebracht werden. Die geben für jeden Stamm in verschlossenen Umschlägen ein Angebot ab. Das höchste erhält den Zuschlag. Je höher der Verkaufspreis über dem Schätzwert der drei Experten liegt, umso besser für den Waldeigentümer.
Was aber, wenn nicht? Wenn ein Stamm 300 Euro je Festmeter erzielen soll, aber niemand das bietet? Waldeigentümer Fürstenberg – dem Diplom-Forstwirt gehören 600 Hektar Wald, und er hat in Daldorf 70 Festmeter liegen: „Ist die Differenz klein, wird der Stamm dem Interessenten zugeschlagen. Ist sie größer, wird mit dem Holzeigentümer Rücksprache gehalten, ob er zum gebotenen Preis verkaufen will oder nicht.“ Als Grundregel gelte: Holz „ab Wald“ zu verkaufen, geht zwar schnell, bringt aber nicht so viel ein. Die Submission ist ergiebiger. Allerdings entstehen dem Einlieferer auch Kosten. Fürstenberg: „Er muss das Holz herbringen lassen und eine Lagergebühr zahlen. Wird er sein Holz hier nicht los, muss er es wieder abtransportieren. Das alles muss gut abgewogen werden.“ Immerhin machten die Nebenkosten bis 40 Euro je Festmeter aus.
Wie wird ein Stamm taxiert? Quer nennt die Kriterien: Hat er Braunverfärbungen an der Schnittseite? Ist Fäulnis erkennbar? Wie ist er gewachsen (gradschaftig oder krumm)? Wie dick ist er? Hat er Äste, Fehler, Risse oder Schäden? Um das alles erkennen zu können, muss die Rinde frei sichtbar sein. Ein Job für Jan Zulys, der für die Agentur mit einem Laubpuster den Schnee von den Stämmen bläst. Ein übertriebener Aufwand? Von wegen. Hier liegt Spitzenholz. Hier können über 1000 Euro je Festmeter erzielt werden. Denn aus einem Festmeter können bis zu 1200 Quadratmeter feinstes Furnierholz geschnitten werden.
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.



