Wie geht das bloß aus mit der Mittelzentrumsholding (MZH)? In ganz Schleswig-Holstein schaut man auf den Fehmare-„Krieg“ zwischen Fehmarn und Bad Segeberg. Das Interesse an diesem einmaligen Vorgang sei gewaltig, erzählt ein Insider aus Kiel. An dem juristischen Fingerhakeln nehmen alle Anteil. Die Schar der Beobachter reiche vom Rechnungshof bis zum Kieler Landtag.
Kommt der vorläufige Insolvenzberater Jens-Sören Schröder mit seiner Linie durch? Er möchte durch Abspaltung des Spaßbades die MZH retten. Oder kann sich Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld durchsetzen, der die ganze Konstruktion der MZH anzweifelt. Auch die Bürger stellen sich Fragen – ängstliche. Das Strandbad Ihlsee gehört zum Besitz der von Insolvenz bedrohten MZH. Am Dienstag, 7. Februar, 19 Uhr, soll es zu den Vorgängen im Bürgersaal eine Einwohnerversammlung geben. Die „Badefreunde Ihlsee“ fordern Schönfeld auf, „alles Erdenkliche zu tun“, um das Bad in den Besitz der Stadt zurückzuholen. Die Einwohner sollen möglichst zur Bürgerversammlung kommen, auch um deutlich zu machen, welchen Stellenwert das Ihlseebad für sie habe.
Auch einige Stadtvertreter fragen sich, ob sie dem Kurs von Schönfeld trauen können. „Ich kann nicht schlafen, der Bürgermeister will die Holding an die Wand fahren“, sagt ein Stadtvertreter, der sich nicht outen möchte. MZH-Geschäftsführer Luzian Roth soll hierzu in der CDU-Fraktionssitzung Alarmierendes berichtet haben. Auch die Karl-May-Spiele seien gefährdet, will der Politiker von Roth erfahren haben. Der wies das auf LN-Nachfrage empört zurück. Die Kalkberg GmbH sei überhaupt nicht gefährdet, erfuhren die LN von Kennern. Die sei „putzmunter“ und werde weiterbestehen, wer auch immer Gesellschafter sei. Die Spiele seien überhaupt nicht in Gefahr. Da habe die Stadt alle Trümpfe in der Hand, beteuert auch Schönfeld. Wäre das die richtige Taktik? Gleich die MZH in die Insolvenz gehen lassen, sprich zerschlagen? So dass es keinen Rechtsnachfolger gibt, für den Fall, dass die Stadt Fehmarn hohe Schadenersatzforderungen stellt? Es gibt solche Bestrebungen. Doch Schönfeld will nicht den Eindruck erwecken, er falle dem vorläufigen Insolvenzverwalter Schröder in den Rücken. Der ist dabei, die Mittelzentrumsholding zu sanieren. Zurzeit laufen Dreiecksgespräche mit Insolvenzberater, Stadt Bad Segeberg und Fehmarn. Auflösung des Fehmare-Vertrages, Sanierung der MZH – ja, das sei „jetzt oberste Priorität“, so Schönfeld. Es dürfe aber nicht passieren, „dass wir für den ausgerechneten Verlust über 15 Jahre von elf und zwölf Millionen Euro aufkommen“. Es müsse klar sein, dass am 31. März 2012 Schluss ist mit dem Fehmare in der MZH. Schönfeld: „Dann haben wir Segeberger rund zwei Millionen Euro dafür verballert. Das muss reichen.“ Gegen die Wand fahren wolle er sie nicht. Aber eine Sanierung müsse rechtlich wasserdicht und wirtschaftlich für die Stadt tragbar sein. Wenn es eine Hintertür gebe, dass der Stadt später Schadensersatzforderungen drohen, werde eine Sanierung scheitern, warnt Schönfeld. Der sieht im übrigen zahlreiche „handwerkliche Fehler“ schon bei der Gründung der Mittelzentrumsholding Bad Segeberg / Wahlstedt GmbH & Co. KG. Nach LN-Informationen sind sich jetzt alle Seiten einig, dass der Fehmare-Vertrag einvernehmlich beendet werden soll, weil eine Fortführung mit dem chronischen Defizit unweigerlich zu einer Insolvenz führen würde. Verhandlungssache ist nur noch, welche Abfindung Fehmarn zu erwarten hat.
Wenn dieser Punkt geklärt ist, erwarten Volksbank und Sparkasse auch noch ein Bekenntnis der Gesellschafter, also von Bad Segeberg und Wahlstedt, für die MZH. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die mittlerweile gekündigten Kredite wieder neu eingerichtet werden. Jetzt ist die Frage, ob der misstrauische Dieter Schönfeld bereit ist, den Treueschwur auf die ungeliebte Tochter zu leisten. . .
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.



